Migipedia – Ein Experiment mit Potential

In der Nacht auf Montag geht Migipedia online. Die Migros will mit ihrem neuen Social Media Tool aus “Consumer” “Prosumer” machen: Migros-Kunden sollen auf der Internet-Plattform Produkte bewerten und der Migros ihre Meinung sagen. Aber das ist erst der Anfang. Das Projekt im Beta-Stadium hat noch ganz viel Potential.

Innovativ ist nicht nur das Produkt selber, sondern auch die Lancierung: Die Migros organisierte nicht einfach eine hundskommune Medienkonferenz, sondern lud über Twitter zur Präsentation ein. Etwa 25 Personen (Blogger, Twitterer, Wissenschaftler, Migros-Kunden, Kommunikationsexperten und Journalisten) erhielten gestern Abend in Zürich einen ersten Einblick in das Projekt Migipedia.

Leila Summa, Social Media Director, leitete durch die Veranstaltung. Zuerst vermittelte sie generelle Informationen zu Migros und Social Media. So sei jeder 25. Schweizer Facebook-User Fan der Gruppe “Migros Ice Tea”. Die Firma nehme die virtuelle Welt ernst und beobachte seit einiger Zeit Twitter, Facebook und Blogs.

Aber nur beobachten reicht der Migros nicht mehr. Leila Summa: “Wir wollen selber ein bisschen Social Media machen.”

Ohne sich registrieren zu müssen, können Migros-Kinder via Texteingabe oder durch Scannen eines Strichcodes mit der Webcam (in Zusammenarbeit mit Codecheck) nach Produkten suchen (zur Zeit sind etwa 5’000 Produkte registriert). Jeder Artikel hat seine eigene Seite: Darauf findet der Kunde Informationen zum Produkt (Nährwerte, Preis, etc.), kann es bewerten (mit dem bekannten Sternchen-System) oder Kommentare dazu abgeben. Wie aus anderen Communities bekannt, können andere User den Kommentaren dann zustimmen oder zeigen, dass sie anderer Meinung sind (im Migros-Fachchargon: “leike oder nödleike”). Wer bei seinem Kommentar (bzw. bei einer Frage oder Kritik) noch ein Häckchen bei “M-Infoline” setzt, der wird auch garantiert eine offizielle Antwort von der Migros erhalten.

Wie erwähnt, funktioniert die Seite auch ohne Account: Wer aber will, kann sich ein Profil anlegen und seinen Kommentaren ein Gesicht geben. Derjenige User, der eingeloggt die meisten Kommentare zu einem Produkt abgibt (bzw. “am meisten aktiv ist”), wird “Produkt-Pate”, was dann natürlich auch jeder sehen kann – ein Status-Symbol für Heavy-User also.

Lustig. Aber wie profitiert die Migros von Migipedia? Die Antwort gemäss Powerpoint-Präsentation: “Die von und über die Kunden gewonnenen Informationen können genutzt werden, um das Migros Angebot (online und offline) weiter im Sinne des bewussteren Konsums der Kunden zu verbessern.”

Auf die Folie folgte die Frage aus dem Publikum, was denn genau für Informationen über die Kunden gewonnen werden sollen. Bedenken sind berechtigt: Eine logische Erweiterung von Migipedia wäre die Verknüpfung der User-Accounts mit den Cumulus-Daten. Eine Option sei das natürlich schon, zur Zeit aber noch zu heikel. Das Cumulus-Programm trägt das “Good Privacy Label”, ein Datenschutzgütesiegel, das die Migros auf keinen Fall verlieren will.

Migipedia ist ein Experiment. Selbst die Entwickler wissen noch nicht genau wo es hinführen wird. In der Anfangsphase bietet die Seite Produkteinformationen und eine Diskussionsplattform. Nichts bahnbrechendes also. Aber die Idee soll ständig weiterentwickelt werden – die Migros zählt dabei auch auf die Nutzer: Sie sollen Ideen einbringen und mitbestimmen, wohin die Reise führt.

Was die Zukunft bringen könnte:

– Mit einer iPhone-App scannt der Kunde im Laden Produkte und erhält Informationen dazu (z.B.von welchem Bauernhof ein Ei kommt).
– Migipedia verschmilzt mit LeShop.ch. Produkte können mit einem Klick nach Hause bestellt werden.
– Lagerbestände werden angezeigt. Ein Beispiel: In welcher M-Electronic-Filiale in meiner Nähe gibt es noch einen der Aktions-Fernseher für Fr. 999.- ?
– Aktionen-Alarm: Immer wenn mein Lieblingswaschmittel Aktion ist, kriege ich eine Benachrichtigung per Email.
– Allergiker können ihre Allergien mit ihrem Profil verlinken. In der Filiale scannen sie die Produkte und werden bei gefährlichen Inhaltsstoffen gewarnt.

Der Grundstein ist gesetzt. Die Migros ist wieder um ein M besser. Nun gilt es das Projekt im Interesse der Nutzer weiter zu entwickeln. Innovativ, aber nicht überstürzt und vor allem transparent: Denn wenn die Migros ihre User verärgert, dann verärgert sie gleichzeitig auch ihre Kunden. Und dann gewinnt Coop.


Werbevideo der Migros
Mehr Bilder von der Präsentation gibts bei Benkö.

8 Responses to “Migipedia – Ein Experiment mit Potential”

  1. […] This post was mentioned on Twitter by Bernadette Bisculm , bauernhof. bauernhof said: kobi.ch » Blog Archive » Migipedia – Ein Experiment mit Potential: Mit einer iPhone-App scannt der Kunde im Laden … http://bit.ly/cdCT8P […]

  2. Ursina sagt:

    Hoi Kobi, wenn Du eso wiiiterschriibsch über de Migi, gits vilicht na meh Aperohäppli – ich würd mich drüber freue, sind sehr fein xsii.
    Liebe Gruess us downtown, u.

  3. Markus sagt:

    Sehr schön, konnte mir bereits ein paar Produkte als Produkte-Pate unter den Nagel reissen. Mal schauen wie lange ich das Schoggi Joghurt als Pate behalten kann.

  4. kati sagt:

    Sehr innovativ… User generated Content ;-) Bin gespannt wie lang’s dauert bis das ein Unternehmen aus Ö kopiert…

  5. Grosser Lärm um Nichts. Komplett überflüssig! Name gestohlen und leicht abgeändert, schade. Freundlicher Gruss, REb.

  6. […] vonammonreports Liebe Migros, so ganz verstehe ich die Migipedia-Konzepte nicht. Die gefundene Meldung sagt mir, Migros würde sich hier in die Social Media Szene begeben und eine offene Kommunikation […]

  7. stefi sagt:

    Hallo Kobi

    Dürfte ich fragen, ob die Vorschläge welche hier unter \Was die Zukunft bringen könnte\ aufgeführt werden von Ihnen oder von Migipedia während der Präsentation des Projektes genannt wurden?

    Besten Dank!

  8. north carolina insurance…

    Notes by alain – Memonic…