Blog-Monitoring: Praxistest mit der Migros

Gestern schrieb die SonntagsZeitung, dass Schweizer Konzerne (ABB, Nestlé, Credit Suisse, Swisscom, Cablecom, Migros) mit Software systematisch Blogs überwachen. Dies ermögliche den Firmen gezielt auf Blogeinträge zu reagieren. Ein Beispiel aus der SonntagsZeitung:

28 Minuten nach Mitternacht schrieb Roger Bühler entnervt auf seinem Blog: «war jetzt drei stunden lang vom netz abgehängt – war ein dummes gefühl.» Um 3.38 Uhr morgens antwortete ihm völlig unerwartet ein Mitarbeiter des Cablecom-Kundendiensts: «Guten Tag. Diesen Unterbruch bedauern wir und hoffen, dass Sie wieder online sind.»

Soweit so gut. Ich mach jetzt mal den Praxis-Test und schaue, ob die Migros auch so flink ist wie ihr Blog-Monitoring-Konkurrent Cablecom:

Liebe Migros,

Am späten Sonntagnachmittag stoppte ich an der Raststätte Kölliken Nord. Mein Magen knurrte und ich wollte mir im migrolino eine günstige Tiefkühlpizza holen. Von wegen günstig: migrolino verkauft nicht die preiswerten Migros-Finizza-Pizzas, sondern die teureren Original-Dr.Oetker-Pizzas. Nur, wieviel kostet so eine denn? Ich fand keinen Hinweis auf den Preis. Weder auf der Verpackung, noch vor, hinter, auf oder in der Tiefkühltruhe. Und dies obwohl Ihr Chef Herbert Bolliger in Interviews beteurte, dass zwar die Preise von den Produkten verschwinden, dafür aber gut sichtbare Preisschilder an den Regalen angebracht werden (“Es geht vor allem um eine zuverlässigere Preis-Information für die Kunden und nicht primär um die Einsparungen” – Zitat Bolliger im Blick vom 6. Januar 2010). Ihre Angestellte war dann so nett und scannte das Produkt für mich: Fr. 6.20. Sie werde dafür sorgen, dass dort ein Preisschild hinkomme, versicherte mir die junge Frau in Aargauer Dialekt.

Der Zufall wollte es, dass ich eine gute halbe Stunde später bei einer Shell-Tankstelle in Burgdorf Benzin tankte und dafür in einem migrolino-Shop bezahlen musste. Ich konnte es nicht lassen und guckte in die Tiefkühltruhe: Pizzas von Dr.Oetker &#150 ohne Preisschild weit und breit. Ihre Angestellte versicherte mir, diesmal auf Berndeutsch, sie werde “es weiterleiten”. Dass die Pizza Fr. 6.20 kostet, wusste sie übrigens auswendig.

Nun meine Frage: Muss ich mich in Zukunft im Einkaufsstress bei Ihrem Personal über die aktuellen Preise erkundigen oder kann ich dieses ernüchternde migrolino-Erlebnis ganz schnell wieder vergessen?

Ihre Antwort in Form eines Kommentars zu diesem Blogeintrag würde mich sehr freuen.

In der Hoffnung auf eine ebenso schnelle Reaktion wie diejenige von Ihren Kollegen bei Cablecom, verbleibe ich

mit freundlichen Grüssen
Kobi

14 Responses to “Blog-Monitoring: Praxistest mit der Migros”

  1. MIGROS sagt:

    Sehr geehrter Herr Kobi
    Danke für Ihren Hinweis, dem wir gerne nachgehen werden. Natürlich widersprechen die beschriebenen Fälle unserer Firmen-Policy: Jeder Scheiss hat einen sichtbaren Preis!
    Freundliche Grüsse
    Ihre MIGROS

  2. up naef sagt:

    lieber kobi – die aussagen von herrn bolliger beziehen
    sich auf die migros-läden und nicht auf migrolino oder
    leshop.

    wir werden aber dafür sorgen, dass sie eine antwort
    von migrolino bekommen. denn preisanschrift, wo
    auch immer, ist pflicht.

    alles gute

    urs peter naef
    mediensprecher migros

  3. up naef sagt:

    lieber kobi – wo kann ich checken, was aus meinem kommentar geworden ist? ich kann ihn nirgends finden auf dieser seite…

    urs peter naef
    mediensprecher migros

  4. kobi sagt:

    @MIGROS: du bist ein FAKE! aber ein guter :)

    @up naef: bravo! praxistest erfolgreich bestanden! aber sorry für die verzögerung: die kommentare blieben doch tatsächlich in meinem spam-filter hängen – was mein problem ist und nicht das der migros. ich brauche ein software-update. danke für die doch recht schnelle antwort und nun warte ich gespannt auf das statement von migrolino :)

  5. Neben Markenprodukten wie beispielsweise die Dr. Oetker
    Pizza führt migrolino selbstverständlich auch Migros-Pizzen
    im Sortiment, welche zu den gewohnt günstigen Migros-Preisen
    angeboten werden. Aufgrund unseren beschränkten Laden-Flächen
    führt migrolino die Finizza Pizzen allerdings nicht im Sortiment.

    In Kölliken hatten wir zum Zeitpunkt Ihres Einkaufs vier Dr. Oetker
    Pizzen zum Verkaufspreis von CHF 6.20 im Sortiment. Im gleichen
    Kühler befanden sich die Migros-Pizzen Favorita (CHF 3.80),
    Toscana (CHF 4.50) und Margharita Duo-Pack (CHF 7.30).
    Diese Auswahl an Migros- und Markenprodukten entspricht der
    migrolino-Strategie

    migrolino setzt die gesetzlich vorgeschriebene Preisanschrift
    der Produkte grundsätzlich um. Wir haben mit den betroffenen
    Shops Kontakt aufgenommen um die Sachlage umgehend zu
    klären. Zudem werden wir in unserer nächsten Partnerinformation
    nochmals explizit darauf hinweisen, dass die Preisanschrift bei
    sämtlichen Produkten zwingend einzuhalten ist. Wir werden bei
    unseren Shopkontrollen die Preisanschrift konsequent kontrollieren.

    Andrea Schindler
    Leiterin Marketing und PR migrolino

  6. auli sagt:

    In Kölliken hatten wir zum Zeitpunkt Ihres Einkaufs vier Dr. Oetker
    Pizzen zum Verkaufspreis von CHF 6.20 im Sortiment. Im gleichen
    Kühler befanden sich die Migros-Pizzen Favorita (CHF 3.80),
    Toscana (CHF 4.50) und Margharita Duo-Pack (CHF 7.30).
    Diese Auswahl an Migros- und Markenprodukten entspricht der
    migrolino-Strategie.

    —> Kobi, dann gibts halt für einmal keine Finizza sondern die Toscana oder Margharita ;-) Muesch haut nit so gschnöigät tue…

  7. Ich find Social Media und insbesonders Social Media Monitoring ja recht lustig, freue mich schon wenn die Migros dann hunderte von Schreiberlingen im Call Center hat, die auf Facebook wegen jedem Pipifax irgendwelche Antworten aus dem Arm schütteln. Immerhin Kobi ist wieder glücklich.

  8. kobi sagt:

    @auli: yes sir!
    @leumund: judihui

  9. kobi sagt:

    Quelle: Sonntag vom 25. April 2010, Seite 24

  10. Sandra-Lia sagt:

    ausser steht auf bloggerin.com, dann is es der migros scheissegal, denn dahinter stehen ja nur 15.899 Kunden.. Und wen interessiert schon, was die wollen..

  11. […] einer Marke ins Gespräch zu kommen. Also eigentlich gar nie. Da ihre PR-Mitarbeiter diesen ganzen Blogüberwachungkram jetzt aber schon mal eingerichtet haben, weil man möchte ja neuerdings furchtbar nahe beim Kunden […]

  12. Michael sagt:

    Leider scheint das bei DER POST nicht zu funktionieren – sonst hätten die sich wohl schon längst auf meine Twitter-Post’s gemeldet…

  13. MW sagt:

    fantastisch! :-)

  14. kobi sagt:

    Auch ganz Interessant: Die Swisscom geht nach Negativschlagzeilen von Blogger in die Charme-Offensive: http://saschak.ch/swisscom-verschenkt-usb-sticks/