Munnar

Nächste Station war Munnar. Eigentlich war dieses Bergdorf nicht in meinem Reiseplan. Aber mir wurde gesagt, die Teeplantagen dort seien noch schöner als die in Ooty. Die Reise dorthin war beschwerlich. Sie dauerte etwa zehn Stunden: Zuerst kurvten wir (Mat, der Däne war mit seinem Motorrad bereits unterwegs – Denis, der Slovene kam mit mir mit dem Bus) vier Stunden den Berg hinunter nach Coimbatore, wo wir Bus wechselten, dann wieder hinauf auf 2000 Meter. Es war heiss und die Busse überfüllt. Wir erreichten den kleinen Ort im Staat Kerala am Freitagabend. Mat wartete bereits auf uns. Wir suchten uns ein Hotel und gingen etwas essen – ich hatte Noodles die so gut waren, dass ich gleich noch eine zweite Portion bestellte.

So gut waren die Noodles wohl nicht, wie ich am nächsten Morgen feststellen musste. Mat und Denis fuhren mit dem Mottorrad durch die wunderschöne Natur, während ich ein wenig im Dorf herumlungerte und immer wieder ein WC aufsuchte. So uninteressant war der Tag aber nicht. Während die kommunistische Partei (grösste Partei in Kerala) einen mit Lautsprechern überladenen Jeep durchs Dorf fuhren und Parolen verbreitete, war die Konkurrenz auf dem Dorfplatz präsent. Ein Politiker hielt eine Rede die von 13.30 Uhr bis 17.30 dauerte. Der Mann hatte einiges zu sagen und das in einer ohrenbetäubenden Lautstärke; schliesslich musste er ja die Kommunisten mit ihrem Propaganda-Mobil übertönen. Ich erkundigte mich bei einem Kiosk, von welcher Partei dieser Politiker sei: “Tigers”, sagte mir der Ladenbesitzer. “Tamil Tigers?”, fragte ich, um herauszufinden ob es die in Indien auch gibt. Schliesslich gibt es ja in Indien auch Tamilen. “No, different Tigers”, war dann die Antwort. Nun gut, ob denn Wahlen seien an diesem Wochenende? “No, elections in September, now just practicing!” Unglaublich, dachte ich, da übt einer im Februar vier Stunden lang seine September-Rede?

Ganze vier Stunden dauerte die Rede des Tigers

Der Sitz der lokalen Kommunisten

Am nächsten Tag ging es mir noch “beschissener”. Anscheinend fühlten sich die bösen Bakterien wohl in meinem Körper. Mat und Denis reisten weiter und ich lag in meinem Hotelbett und las Der weisse Tiger von Aravind Adiga (ISBN 3-406-57691-5), ein Buch über einen Inder, der zum Mörder wird, nur um den sozialen Aufstieg schaffen zu können. Eine wirklich spannende Geschichte.

In Munnar machen selbst die Katholiken Propaganda


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