Ooty

Wie ich bereits in einem früheren Eintrag geschrieben hatte, wollte ich unbedingt nach Ooty (auch Udagamandalam genannt). Die kleine Stadt liegt umgeben von Teeplantagen auf 2000 Metern über Meer im Staat Tamil Nadu. Die Busfahrt dorthin war bereits ein Erlebnis. Die Strecke führte durch einen Nationalpark und ich sah tatsächlich wild lebende Elefanten. Der Bus verlangsamte zwar sein Tempo, fuhr dann aber weiter, als ich endlich meine Kamera ausgepackt hatte. Neben mir sass ein Geschäftsmann mit dem ich mich ein bisschen unterhielt. DIe Umgebung war atemberaubend und so fragte ich den Mann, ob man hier oben in den Bergen das Wasser bedenkenlos trinken könne. Zu meinem Erstaunen verneinte er die Frage. Zuoberst gäbe es eine Biochemie-Fabrik, die das Wasser sozusagen bereits an der Quelle verschmutzt.

In Ooty angekommen, checkte ich in die Jugendherberge (YWCA) ein. Um ein bisschen unter die Leute zu kommen, buchte ich für 100 Rupien (CHF 2.50) eine Übernachtung im Massenschlag. Den teilte ich mir nicht nur mit 9 anderen Touris, sondern auch mit einer Ratte. Ich habe aber kein Problem mit den kleinen Nagern – und sie liess mich auch durchschlafen. Weniger Freude hatte eine Holländerin deren Zahnpaste am nächsten Morgen angeknabbert war. Leider habe ich auch davon kein Foto.

Dorm D2 der YWCA Ooty

Der zweite Tag in Ooty sollte dann einer der schönsten meiner ganzen Indienreise werden. Mit einem Dänen, der während eines Monats mit einem Motorrad unterwegs war, fuhr ich einen Tag lang durch die Teeplantagen rund um Ooty. Erstes Ziel war ein Ort mit dem Namen Avalanche. Obwohl es in Tamil Nadu auch auf 2000 Metern Höhe nie schneit. Avalanche ist das Tor zu einem “Wildlife Sanctuary”; das wollten wir uns ansehen. Dort angekommen, hielten wir vor einer verschlossenen, bewachten Barriere. Ob wir denn in den Park fahren dürften, oder ihn wenigstens bewandern, fragten wir den Wildhüter. Aber dieser gab uns zu verstehen, dass ohne “Permission” gar nichts ginge. Wo wir denn eine Permission bekämen, fragten wir. Die Antwort schien logisch: Nicht von ihm, sondern von irgendeinem Büro in Ooty, also eine Stunde mit dem Motorrad in die entgegengesetzte Richtung… Wir versuchten dann nicht den Mann zu bestechen.

Teeplantagen

Der Däne auf seiner Bullet in der Haarnadelkurve 16 von 34

Lake Avalanche

Auf unserer Rundreise durch die Teefelder fuhren wir an unzähligen Teefabriken vorbei – eine davon besuchten wir. Fotos von innen gibt es nicht, denn es war uns “stritctly prohibited”, welche zu machen. Reinkommen war auch nicht ganz einfach. Wir fragten den zahnlosen, etwa 60-jährigenSicherheitsbeamten für Einlass. Und wieder hiess es: “You need permission.” Diese kriegten wir dann aber gleich nebenan, im farbigen und klimatisierten Büro. Und dann fühte uns der alte uniformierte Securitas in schnellem Tempo durch die Teefabrik. “Here put in leaves. Leaves go down, and up. Here put wood in the oven for fire. Leaves go there, then down, then up, then over there, then up there, then down again…” Schliesslich wurde am Ende des Maschinenlabyrinths der Tee abgefüllt, worauf das Kilo für 60 Rupien (CHF 1.12) an die Grosshändler verkauft wird.

Staatliche Teefabrik (grau) mit Büro (farbig)

Am nächsten Tag traf ich per Zufall einen Slovenen, mit dem ich bereits in Goa an der Bushaltestelle eine Weile gequatscht hatte, als ich auf dem Weg nach Bangalore und er auf dem Weg nach Hampi war. Indien ist eben klein. Wir fuhren mit dem “Blue Mountain Train” nach Conoor und wieder zurück. Die Strecke wurde nach dem letzten Monsoon unterbrochen und danach etwas behelfsmässig wieder zusammengeflickt (Bild). Ein Abenteuer.

Improvisierte Brücke

“Chaia – Chaia”

Am Abend besuchten wir einen Bollywood-Movie (in Hindi) im Kino von Ooty. Wir kamen zu spät, die Kasse war zu und wir schlichen uns einfach hinein. Als ehrliche Touristen wollten wie uns in der Pause doch noch Tickets besorgen, was ein bisschen auf Unverständnis stiess. Weshalb wir denn für einen Film bezahlen wollen, von dem wir kein Wort verstehen, fragte uns der Angestellte im Back-Office. Gleichzeitig hatte er Freude, dass zwei Europäer einen Hindi-Film in seinem Kino schauen wollen. Schliesslich stellte er uns dann für je 20 Rupien (CHF 0.50) Tickets für die 3. Klasse aus. Als sich die Hauptdarsteller nach etwa zweieinhalb Stunden im blendenden Sonnenlicht zu küssen schienen, danach aber nicht fertig war sondern die nächste unverständliche Konversation folgte, verliessen wir den Saal gleich leise, wie wir ihn betreten hatten.


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