Mysore

Mit einem staatlichen Bus fuhr ich von Bangalore nach Mysore, einer mittelgrossen Stadt im Staat Karnataka. Die dreistündige Fahrt wahr nicht wirklich angenehm, die Stossdämpfer des alten Gefährts hätten wohl schon lange mal ausgewechselt werden müssen. Durchgeschüttelt erreichte ich am späteren Nachmittag Mysore. Dort checkte ich ins altehrwürdige Hotel Dasaprakash ein. Es war nicht einfach dorthin zu gelangen, weil mir ein “Friend” unbedingt eines seiner vergammelten Zimmer andrehen wollte (obwohl: “You know, I don’t get comission, I am not one of those, I just enjoy your friendship!”).

Viel zu sehen gibt es in Mysore nicht, aber der Maharaja-Palast, der 1902 nach einem Brand des frühreren Holzpalastes neu gebaut wurde, wird immer Sonntags zwischen 19.00 und 20.00 Uhr mit 40’000 Glühbirnen an der Fassade erleuchtet. Und das sieht dann so aus:

Wahrscheinlich sind zehn Angestellte mit nichts anderem als Birnen auswechseln beschäftigt.

Am nächsten Tag guckte ich mir den Palast noch von innen an. Der Eintritt beträgt für Inder 20 Rupien (CHF 0.50), für Ausländer 200 Rupien (CHF 5.00). Was für eine Diskriminierung. Ich bezahlte also 200 Rupien und betrat das Gelände. Bevor ich ins Innere des Hauptgebäudes durfte, musste ich noch zweimal bezahlen. Einmal um die Fotokamera bewachen zu lassen, denn die darf man nicht mitnehmen und nocheinmal, um die Schuhe bewachen zu lassen, denn die dürfen auch nicht mit. Und zu guter Letzt musste ich auch noch meine Identitätskarte abgeben, als Depot für einen Audioguide.

Der Besuch hat sich nicht nur wegen des schönen Palastes gelohnt. Neben einer indischen Grossfamilie die unbedingt ein Foto mit einem Weissen wollte (siehe Bild), lernte ich dort auch Adele kennen, eine Kanadierin mit indischen Wurzeln, die zur Zeit in einem Kinderheim in Mysore arbeitet. Ich erhielt die Gelegenheit, im Waisenhaus vorbeizuschauen.

Im Haus “Asha Bhavana” der privaten indischen Hilfsorganisation RLHP Mysore leben zur Zeit 20 Mädchen. Alle haben sie ein Bett, erhalten täglich warme Mahlzeiten und können eine staatliche Schule besuchen. Mit wenigen Ausnahmen sind alle Mädchen im Heim Vollwaisen. RLHP’s Streetworker versuchen nämlich, wenn immer möglich, den Eltern der Slumkinder Alternativen zur Bettelarbeit ihrer Kinder aufzuzeigen, so dass die Kleinsten wieder die Schule besuchen können. Nur in wenigen Fällen gelingt die Rückführung nicht. Zum Beispiel im Falle des kleinen Mädchens, dessen Eltern ihr die Hand verätzten, damit ihre Tochter mehr Geld vom Betteln mit nach Hause bringt. Das traumatisierte Mädchen wird nun bis zu ihrem Schulabschluss hier leben. Bis um vier Uhr sind die Mädchen in der Schule, die Zeit bis zum Nachtessen verbringen sie mit Spielen, zusätzlichem Englischunterricht und Meditation. Einmal in der Woche findet der “Familienrat” statt. Dann werden Probleme besprochen und Entscheidungen getroffen. Sogar über das Budget sind alle informiert, grössere Anschaffungen werden demokratisch beschlossen – natürlich unter Aufsicht der Leiterinnen.

Ich war wirklich begeistert, was diese Mädchen trotz (oder vielleicht gerade wegen) ihren traurigen Schicksalen für eine Lebensfreude ausstrahlen. Und wie Adele mir erzählte, sind die Streetworkerinnen und Heimleiterinnen mit Leib und Seele unermüdlich im Einsatz, um das Leben der Slumkinder zu verbesseren – ihnen eine Zukunft zu schenken. CHF 200.00 pro Kind und Jahr kosten Unterkunft, Essen und Schulmaterial. Als private Organisation ist RLHP Mysore auf Spendengelder angewiesen und wird unter anderem von der Bundesrepublik Deutschland finanziell unterstützt.


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One Response to “Mysore”

  1. Philippe sagt:

    Sali Kobi,
    Wie wars beim Freund Gaddafi?