The Travel Agency

Ich fand, dass es Zeit wird meine Weiterreise zu planen. Domi muss zurueck zur Arbeit in die kalte Schweiz und ich habe noch zwei Wochen Zeit, mich ein bisschen in Indien umzusehen. Ich will unbedingt nach Ooty. Das ist eine Stadt auf 2’000 m.ue.M. im Staat Tamil Nadu. Da ich nicht genau wusste, wie man dorthin kommt, ging ich in eines der groesseren Reisebueros in Anjuna. Ich erhoffte mir kompetente Auskuenfte und eine schnelle Abwicklung der Buchung. Dass ich nicht auf direktem Weg nach Ooty kommen wuerde, war mir eigentlich von Anfang an bewusst. Ich muesse via Bangalore und Mysore fahren, erklaerte mir die Frau, die hinter ihrem Bildschirm sass und furchtbar gelangweilt dreinschaute. Den Bus koenne ich nur bis Bangalore buchen, dann muesse ich schauen wie ich weiter kaeme. Ob ich denn mit dem Zug nach Mysore komme, fragte ich, denn Zuege kann man von ueberall aus buchen. Ich erklaerte ihr, ich wolle am Sonntag in Mysore sein (denn immer Sonntags wird dort irgendsoein Palast oder Tempel mit Tausenden von Gluehbirnen beleuchtet). Die Inderin erklaerte mir, dass ich in diesem Falle bereits am Donnerstag in Goa den Zug besteigen muesse. Die Fahrt daure 15 Stunden bis Bangalore, dann haette ich direkt Anschluss nach Mysore. Die Zeitdauer Bangalore-Mysore betrage nochmals 24 Stunden. Das konnte ich kaum glauben, schliesslich ist die Strecke Goa-Bangalore auf der Karte um einiges laenger, als die Strecke Bangalore-Mysore. Ich fragte nach und sie bestaetigte mir die Zeiten nochmals. Nun gut, muss wohl eine verdammt komplizierte Strecke sein, die ueber viele Paesse und durch tiefe Schluchten fuehrt… Ich war vor einer soo langen Zugsfahrt ein bisschen angewidert, aber schliesslich akzeptierte ich den Vorschlag, ich habe ja genuegend spannende Buecher mit dabei. Dann musste ich warten. Warten, warten. Die Frau sass hinter ihrem Bildschirm und es sah ein bisschen so aus, als waere dies die erste Zugsreservation in ihrem Leben. Nachdem ich mindestens 40 Minuten fast regunglos im klimatisierten Buero gesessen hatte, kam der guten Frau ploetzlich in den Sinn, dass ihre Idee mit dem Anschlusszug in Bangalore doch nicht so ein guter Einfall sei, denn dieser Zug fahre von einem anderen Bahnhof aus, also nicht von dem wo ich ankommen sollte. Die Umsteigezeit reiche nicht aus, um mit einer Riksha zum anderen Bahnhof zu kommen, Bangalore sei gross und “very busy”. Ich wartete weitere 20 Minuten, die Frau – wahrscheinlich checkte sie noch alle ihre 23 E-Mail-Accounts – klickte gelassen mit der Maus. Dann, nach gut einer Stunde hielt sie mir den Ausdruck eines neuen Vorschlags vor die Nase: Die Fahrt nach Bangalore sollte immer noch 15 Stunden dauern, die Fahrt von dort nach Mysore aber nicht mehr 24, sondern nur noch 4 Stunden. Obwohl ich zu Beginn ausdruecklich sagte, ich wolle am Sonntag ankommen, kam ich nun gemaess ihren Buchungen ploetzlich schon am Samstag an. Ich gab auf, bezahlte etwas ueber 1’000 Rupies (ca. CHF 25) und verliess den Shop; mit einem Ticket, das ich so eigentlich gar nicht wollte.

3 Responses to “The Travel Agency”

  1. Markus sagt:

    Erinnert mich irgendwie an Little Britain.

    Computer Says No

  2. helmut sagt:

    gas geh, kopf hoch und weiterbloggen. :)

  3. kati sagt:

    weltreise – hört sich doch super an ;-)
    viel spaß noch in indien.
    alles liebe… aus dem verschneiten und eiskalten österreich!