Archive for the ‘Uni’ Category

Empfang mit Rohwurst

Montag, Mai 23rd, 2011

Verbindungs-Studenten waren mir während meiner Studienzeit immer suspekt. Sie torkelten spätnachts in ihren komischen Verkleidungen lallend durch die Strassen von Fribourg. Sie becherten Alkohol gemäss Protokoll. Und sie begrüssten sich an der Uni mit kindischen Übernamen.

Ich hatte keinen Grund einer Studentenverbindung beizutreten: Freiwillig Uniform tragen wollte ich nicht, einen neuen Namen brauchte ich nicht und Bier trinken konnte ich auch so.

Hätten die motivierenden Plakate mit Ruth Metzler aka “Accueil” (franz. “Empfang”) und Otto Ineichen aka “Pantli” (gemäss Wikipedia: “Rohwurstspezialität”) schon damals gehangen – ich wär jetzt Kobi aka “Beznau II”.

Alptraum eines Anwalts

Donnerstag, Juni 25th, 2009

Auszug aus dem Urteil 5C.4/2000 der II. Zivilabteilung des Schweizerischen Bundesgerichts:

Das angefochtene Urteil ist auf der Kanzlei des vom Kläger beauftragten Rechtsanwalts am 17. November 1999 eingegangen. Die Berufungsfrist ist demnach am 17. Dezember 1999 abgelaufen. Der Briefumschlag mit der Berufungsschrift des Klägers trägt aber den Poststempel des folgenden Tages (18. Dezember 1999). Der Rechtsanwalt des Klägers hat dazu ausgeführt, er habe am letzten Tag der Frist um ca. 20.45 Uhr eine grosse Computerpanne gehabt und die Berufungsschrift nur noch in Eile und notdürftig fertig stellen und um 23.11 Uhr ausdrucken können. Anschliessend habe er die Eingabe selber zur Post gebracht und um ca. 23.45 Uhr in den Briefkasten der Sihlpost eingeworfen. Der Leiter «Sortierung» des Briefzentrums Sihlpost hat mit Schreiben vom 3. Februar 2000 erläutert, der zuständige Bedienstete habe den Auftrag, auf dem sonst automatischen Förderweg um Mitternacht ein «Zwangsabziehen» einzuleiten, damit auch die letzten vor Mitternacht eingeworfenen Briefe gefördert würden und den «Gleichentagsstempel» erhielten. Seit Einführung dieser Regelung träfen nur noch vereinzelt Reklamationen wegen verspäteter Stempelung ein.

Der Rechtsanwalt des Klägers hat seine ursprünglichen und unter dem Druck der unvorhergesehenen Ereignisse geänderten Pläne für die Abendgestaltung glaubwürdig geschildert und eine Liste über die Bearbeitung der Dateien beigebracht, worin verzeichnet ist, dass die Berufungsschrift tatsächlich am 17. Dezember 1999 um 23.11 Uhr ausgedruckt wurde. Die verbleibende Zeit reichte nach der Lebenserfahrung zur Postaufgabe aus. Hinzu kommt, dass die Rechtsschrift typische Mängel eines in aller Eile fertig gestellten Schriftstückes aufweist (Rechtschreibfehler, Unstimmigkeiten beim Seitenumbruch, sehr kurze, zum Teil kaum begründete Rügen gegen Schluss der Eingabe), was ebenfalls darauf hindeutet, dass die Angaben zutreffen. Ausserdem geht aus dem erwähnten Schreiben des zuständigen Leiters der Post hervor, dass vereinzelte Reklamationen wegen verspäteter Stempelung zu verzeichnen sind und demnach offenbar keine absolute Gewähr für korrekte Stempelung kurz vor dem Datumswechsel besteht. Unter diesen Umständen kann die Berufung als rechtzeitig eingereicht gelten.

Uff! Ende gut, alles gut? Nicht wirklich:

Die Berufung wird teilweise dahin gutgeheissen, dass Dispositiv-Ziff. 2 des Beschlusses des Obergerichts des Kantons Zürich, I. Zivilkammer, vom 11. November 1999 aufgehoben wird. Im Übrigen wird sie abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist, und das Urteil des Obergerichts des Kantons Zürich, I. Zivilkammer, vom 11. November 1999 wird bestätigt.

Die Gerichtsgebühr von Fr. 13’000.– wird dem Kläger auferlegt.

Der Kläger hat die Beklagten 1, 2 und 8, die Beklagten 3-6 und den Beklagten 7 mit je Fr. 5’000.- (insgesamt Fr. 15’000.–) zu entschädigen.

Bild: Sihlpost Zürich bei Sonnenaufgang (10. Mai 2009)

Sausis – Januar

Freitag, Februar 1st, 2008

So. Es wird Zeit für ein seriöses Update. Keine Pizzarechnung, keine Druckfehler von 15min.lt, sondern eine relativ ernst gemeinte Zusammenfassung meines ersten Monats in Vilnius:

Am Montag nach meiner Ankunft ging es gleich los. Es erwartete mich ein gedrängtes Programm. Der dreiwöchige Einführungskurs, in welchem die litauische Sprache, Geschichte und Kultur vermittelt wurden, war interessant und intensiv zugleich. Der Kurs beinhaltete ein Programm das von Montag bis Samstag die Tage ausfüllte: Eine tägliche Ration Sprachschule, die Besichtigung von Museen, Vorträge von Professoren und Exkursionen. Sowie ganz viel Essen. Die Litauer lieben es, ihre Gäste kulinarisch zu verwöhnen.

Nicht selten wird zuviel des Guten aufgetischt: So geschehen während unserer Abschlussexkursion ins Freiluftmuseum von RumÅ¡iÅ¡kÄ—s. Nachdem wir am Morgen mit dem Minibus der Universität von einem rekonstruierten litauischen Bauernhaus zum nächsten rekonstruierten litauischen Bauernhaus gefahren worden sind, erwartete uns am frühen Nachmittag eine grosszügige litauische Mahlzeit in einem rekonstruierten litauischen Bauernhaus. Nach einer Fleischplatte (und Vodka) assen wir Kartoffeln mit Sauerkraut und Würsten (und tranken dazu Vodka) und zum Dessert gab es Käse und Honig (und noch mehr Vodka). Käse und Honig? Ja, das ist fantastisch. Unbedingt mal probieren! Nach einem traditionellen litauischen Animationsprogramm (immer noch in einem rekonstruierten litauischen Bauernhaus) sind wir dann leicht angetrunken und mit gefüllten Bäuchen zurück nach Vilnius chauffiert worden. Dort erwartete uns, nur zwei Stunden nach dem letzten Bissen in RumÅ¡iÅ¡kÄ—s, das Abschlussessen unseres Sprachkurses: Ein 4-Gang-Menu in einem der besten Restaurants von Vilnius. Wir hatten schon nach dem 1. Gang zuviel gegessen, aber was rein muss, muss rein.

Zu den von den Kursorganisatoren verplanten Tagen kamen die von uns Studenten verplanten Nächte noch dazu. Zum Beispiel in der Disco Prospecto. Jeden Dienstag läuft dort die berühmte bzw. berüchtigte Erasmus-Party über die Bühne. Der DJ spielt die internationalen RnB-Hits und kreischt dann und wann ins Mikrofon: “Lets see who we got here tonight. Are there people from France?” Und die Franzosen kreischen betrunken irgendwas zurück. Falls sie nicht gerade auf der “Dachterasse” betrunken französische Chansons am kreischen sind. Natürlich ist das ein Negativbeispiel von Clubkultur (und Studentenkultur), aber ich habe auch anderes erlebt, zum Beispiel eine wilde Party im Woo oder guten Rock im Bix sowie gemütliches Verhöcklen in kleinen Bars.

Ach und fast hätte ichs vergessen: Wir besuchten auch die Oper mit der Klasse. Rigoletto von Verdi. Das Opernhaus wurde zur Sovietzeit erbaut und kommt glamourös daher. Ein riesiges Foyer mit Teppichböden, Ledersesseln und einer Tradition aus der Zeit wo noch die Russen das sagen hatten: Heisse Schokolade, dickflüssig in Espressotassli mit Löffeli serviert. Hmm. Und noch etwas hat anscheinend Tradition. In der Pause drehen die Zuschauer endlose Runden auf dem Flur. Wie kleine Entchen watscheln sie einander hinterher. Immer schön Päärchenweise und zusammen plaudernd. Recht lustig anzusehen. Runde um Runde, bis es läutet. Ein mir bisher gänzlich unbekanntes Phänomen. Ebenfalls erstaunte mich wie angesagt die Oper in Vilnius bei jungen Leuten ist. Ob es am bezahlbaren Ticket liegt? Ein Eintritt kostet CHF 17.-.

Zum Beweis, dass wir nun ein bisschen was in Litauisch verstehen sollten, mussten wir zum Ende des Kurses eine Prüfung ablegen, wofür wir dann ein wunderschönes, handgefertigtes Diplom der Universität Vilnius erhielten. In grafischer Hinsicht gibt es viel mehr her, als mein viel härter erarbeitetes Bachelordiplom der Universität Fribourg. Es sieht so professionell aus, ich glaube ich werds einrahmen und im zukünftigen Büro aufhängen. Wenn mich dann jemand fragen sollte, was das kauderwelsch auf dem Diplom denn bedeute, dann sage ich einfach, das sei mein Ehrendoktor der Universität Vilnius für meine Bemühungen, das schöne Land im Baltikum den deutschsprachigen Westeuropäern ein wenig näher zu bringen.

Zum Schluss aber noch ein paar kommentierte Bilder (mehr Fotos gibt’s hier):

Aussicht aus meinem Zimmer, am frühen morgen…

Meine Klasse von links nach rechts: Tomasz (Polen), Yvetta (Tschechien), Elisabetta (Italien), Mario (Spanien), Mickael (Frankreich). Und ich vorne.

Ausflug zur Burg Trakai

Elisabetta war kreativ während unserem “Craft Workshop”

Ein rekonstruiertes litauisches Haus in Rumšiškės

Dasselbe in Französisch und noch mehr Fotos gibt es im Blog meines französischen Schulkollegen Mike!

Aš nesuprantu lietuvieškai

Dienstag, Januar 8th, 2008

Um alle Vorurteile gleich zu beseitigen: Die litauische Sprache ist weder Russisch noch Polnisch. Sondern eine baltische Sprache, welche gemäss meiner Lehrerin Inga noch am ehesten mit Altgriechisch verwandt ist. Toll. Da habe ich mir ja was aufgehalst.

Die Grammatik ist das eine. Neben dem Akkusativ, Dativ, Nominativ und Genitiv gibt es in dieser Sprache noch mind. drei weitere Fälle. Zum Beispiel den Lokativ. So sagen die Litauer nicht “Ich bin von Bern” sondern sowas wie “Ich bin Berné”. Und durch die Veränderung des Wortes Bern, wird dann die fehlende Präposition wiedergutgemacht. Schön, bedeutet aber, dass ich von jedem Nomen sechs Formen lernen müsste, um mich grammatikalisch korrekt ausdrücken zu können.

Das andere sind die Wörter. Diese kann ich zwar lesen und einigermassen aussprechen, aber ich vergesse sie jeweils gleich wieder. Wie soll ich mir beispielsweise das Wort “atsipraÅ¡au” (sprich: “atsibrascho”) merken? Ich baue mir dann halt so Eselsbrücken wie “Atze + Brosche, aber mit i und o wie Antifascho“. Aber merk dir mal eine so komplizierte Eselsbrücke…

Atsiprašau, aš nesuprantu lietuvieškai.
=
Entschuldigung, ich verstehe kein Litauisch.

Soviel habe ich bereits gelernt.

unifr.ch/droit merchandising

Donnerstag, Mai 3rd, 2007

Seit 2001 verkaufen Berner Studenten lustige T-Shirts und Pullis mit aufgedrucktem UniBär-Logo. Nun ist auch in Fribourg diese Marktlücke entdeckt und (ansatzweise) gestopft worden.

Nett.

Kaufen (bis 7.5.): fribourglaw.blogspot.com

Sonntag, 22:27, Bahnhof Fribourg

Montag, April 2nd, 2007

Die Rollköfferli sind zurück aus dem Wochenende. Und mit ihnen auch nette Mitbringsel für eine österliche WG.

Uni Fribourg unzensiert

Montag, März 12th, 2007

Villeicht hast du auch mitbekommen, dass ein Assistent der Universität Fribourg kürzlich 55 unkorrigierte Prüfungen von der Putzfrau hat shreddern lassen, da er diese auf dem Altpapierstapel aufbewahren wollte. Den armen Studenten blieb keine andere Wahl, sie mussten die Prüfung nochmals ablegen (siehe 20min-Artikel).

Diese und andere Uni-Geschichten werden von den anonymen Machern des brandneuen Friblogs gekonnt karikiert und werden deshalb in Zukunft nicht mehr so schnell vergessen gehen. Der Blog wurde erst gestern ins Leben gerufen, beinhaltet aber bereits heute sechs informative bzw. unterhaltsame Beiträge. Da kann ich nur hoffen, dass der Friblog keine Eintagsfliege ist. Dranneblibe, dranneblibe, dranneblibe…

Videoquelle: friblog.blog.com

Entschädigung für Higi

Freitag, Juni 23rd, 2006

Über den in der Urteilspublikation erwähnten Anschuldigungen hatte der Autor folgendes Zitat aus der Bibel gestellt:

Verflucht, wer das Recht verdreht.

Hoffentlich ist Hanspeter Born, welcher den Artikel vor einem Jahr verfasst hat, nicht so gläubig wie er tut. Denn in der Bibel steht auch:

Du sollst nicht lügen.

Herr Dr. PD Peter Higi ist Bezirksrichter in Zürich und Lehrbeauftragter an der Universität Fribourg. Die Urteilspublikation erschien in der Weltwoche vom 8. Juni 2006.