Archive for the ‘Reisen’ Category

«A Schundblatt!»

Donnerstag, August 5th, 2010

Für Reinhard N.* aus Niederösterreich ist klar: «Des is a Schundblatt!»

Trotzdem lesen knapp drei von etwa acht Millionen Österreichern die Kronen Zeitung – das Blatt ist gemessen an der Einwohnerzahl eine der stärksten, erfolgreichsten und einflussreichsten Zeitungen der Welt.

Das ist wohl auch der Grund, weshalb die kronschen Kolumnisten schreiben können, was immer ihnen gerade in den Sinn kommt:

Gar keinen Sinn ergibt diese Meldung auf krone.at:

Weshalb sind die Religionslehrerin, ihre gehbehinderte Mutter (79) und Hund Kenny mitten in der Nacht in Salzburg trotz Reservierung ausgesetzt worden? Aufgrund des überfüllten Zuges? Oder etwa weil die Sirenen heulten? Und was hat die Klimaanlage damit zu tun? Hauptsache Horror?

Na zum Glück gibt es in Österreich auch Qualitätszeitungen, die nicht über nutzlose Schmarotzer oder ausgesetzte Omas berichten, sondern über Politik – belegt mit harten Fakten:

Und zum Schluss noch dies:

*Name der Redaktion bekannt.

Ausrisse: Kronenzeitung vom 29. Juli 2010, krone.at vom 26. Juli 2010, Heute vom 26. Juli 2010, heute.at vom 5. August 2010

Quelle: Wikipedia/Kronenzeitung

€ 10′000 for a Žmogžudystė!

Mittwoch, August 5th, 2009

Die Arbeitslosenquote in Litauen liegt bei etwa 15% und das durchschnittliche Einkommen beträgt weit weniger als das eines Durchschnittseuropäers. Der wirtschaftliche Aufschwung Irlands zieht (zog) die Balten in Scharen an. Denn Englisch als Sprache ist bei jungen Litauern im Trend und die beiden Länder haben viele Ähnlichkeiten. Beide kämpften sie lange für ihre Unabhängigkeit. Beide sind ungefähr gleich gross, wenig dicht besiedelt und liegen auf den selben Breitengraden.

Zurzeit leben in Irland rund 75’000 Litauer. Das sind so viele, dass man im Bottleshop auch Å vyturys, litauisches Bier kaufen kann. So viele, dass die irischen Crimestoppers sogar mit Plakaten in litauischer Sprache nach einem polnischen ŽmogžudystÄ— (litauisch für “Mörder”) fahnden.

Polnische Staatsbürger gibt es übrigens in Irland auch viele – nicht nur diesen einen Mörder. Etwa 200’000 sollen es Ende 2008 gewesen sein. Einige von ihnen ziehen nun aber wieder zurück in die Heimat. Während die Wirtschaft in Irland schwächelt (viele Arbeitsplätze werden nach Osteuropa verlagert), sind die Löhne in Polen in die Höhe geschnellt und erreichen vielleicht schon bald EU-Durchschnitt.

Quellen: cafébabel.com / euranet.eu / derstandard.at

Wo selbst das Apple Centre keinen Mieter findet

Dienstag, August 4th, 2009

Meine Sommerferien führten mich dieses Jahr nach Irland, wo ich mit drei Freunden eine Woche lang in einem Hausboot auf dem Shannon River unterwegs war.

Kurz vor dem Abflug nach Dublin las ich in der Zeitung, dass der irische Staat tief in der Krise steckt. Schulen, Spitäler, Ämter und die Hälfte aller Polizeiwachen sollen geschlossen werden. Insgesamt 17’000 Beamte haben vielleicht bald keinen Job mehr. EUR 1,2 Mia. will Irland alleine im Gesundheitswesen einsparen. (Quelle: Artikel Newsnetz).

Und tasächlich, die Krise findet nicht nur in den Medien statt: Das Apple Center an der Kildare Street in Dublin (Bild oben) ist nur eines von vielen leerstehenden Ladenlokalen. In Irlands Strassen reihen sich die “To Let” und “For Sale” Schilder aneinander und auf soeben fertig gestellten Häusern gibts einfach so EUR 100’000 Rabatt (Bild unten).

Die Spirale dreht sich weiter. Wer seinen Job noch hat und sich während des Aufschwungs dank billigen Hypotheken ein Zweithäuschen leisten konnte (vielleicht genau so eines wie oben auf dem Bild – aber noch zum alten Preis), wird nun zur Kasse gebeten: Mit der vom Dáil Éireann* (Teil des irischen Parlaments) beschlossenen Local Government (Charges) Bill 2009 wird Besitzern von Zweitwohnungen eine zusätzliche Steuer von EUR 200 auferlegt. Der Zahlungsbefehl erfolgt per Zeitungsinserat:

Ob die Massnahme die Schliessung des kleinen Polizeipostens von Roosky verhindern kann?

In einem Jahr wird in Roosky wohl nur noch das SOS-Telefon (für Blinde und Gehörbehinderte) in Betrieb sein. Das Polizeirevier steht leer. Davor hängt ein Schild: “For Sale.”

*Obwohl Dáil Éireann neben dem Präsidenten und dem Seanad Éireann nur eine von drei Säulen des Parlaments ist, besitzt das Dáil die wohl mächtigsten Befugnisse. Es kann quasi jedes gewünschte Gesetz verabschieden, da der Präsident normalerweise verpflichtet ist jedes Gesetz, das von beiden Kammern der Oireachtas verabschiedet wurde, zu unterzeichnen und der Seanad normalerweise ein Gesetz nur verzögern, es aber nicht verhindern kann.
(Quelle: Wikipedia/Dáil_Éireann)