Archive for the ‘Incredible India’ Category

Goa-Party

Montag, Februar 8th, 2010

Wir verliessen den Norden und fuhren zurueck nach Agonda. Wir waren bei Viktor, dem Land- und Kioskbesitzer von unserem “Sandy Feet”, zum Nachtessen eingeladen. Das liessen wir uns nicht entgehen. Bereits als wir am Dienstagnachmittag nach Agonda fuhren, erzaehlte uns der Taxichauffeur von einem riesigen Festival, das am Wochenende in Agonda stattfinden soll. Eine richtige Goaparty – mitten im Dschungel.

Bereits am naechsten Tag, kam erhielten wir von einer jungen Frau einen Flyer in die Hand gedrueckt:

Es sollte eine massive Party werden: Drei Tage, ueber 40 DJs und mit bis zu 2’000 Teilnehmern. 600 Tickets seien bereits vorverkauft.

Wie ich ja bereits geschrieben hatte, finden in Goa kaum mehr Open-Air Raves statt. Ich entschied mich also nach langem hin und her dafuer, den Zug nach Bangalore ohne mich fahren zu lassen. Eine Goa-Party in Goa wollte ich mir dann eben doch nicht entgehen lassen.

Am Abend kam mir dann eine weniger schoene Nachricht zu Ohren: Der Eintrittspreis wuerde 2’500 Rupies betragen, das sind etwa 65 Franken. Definitiv sehr sehr teuer, fuer indische Verhaeltnisse. Mir wurde dann erklaert, dass es viel kosten wuerde, alle Bewilligungen fuer eine solch grosse Party “einzuholen”, um so zu verhindern, dass die Behoerden die Party abbrechen wuerden.

Am Mittwochmorgen, zwei Tage vor Festivalbeginn, folgte dann die naechste unerfreuliche Nachricht. Ich kam gerade schlaftrunken aus meinem Bambushaeuschen, da sagt Rana vom “Sandy Feet” zu mir: “The party is cancelled, they destroyed everything.” Ich schlug die Zeitung auf und bestellte einen Kaffee:

Es folgte ein Tag, an dem viel geredet wurde, aber niemand wirklich eine Ahnung hatte. Die Party finde nun im 20 Minuten entfernten Patnem statt, hiess es ploetzlich. Andere fanden, dass die Party sehr wohl in Agonda stattfinden wuerde, die Behoerden wuerden nur mehr Geld verlangen.

Am Nachmittag kam ich mit einem deutsch/oesterreichischen Paar ins Gespraech, die sich fuer Tickets interessierten und die auf dem Flyer aufgedruckte Infonummer angerufen hatten. Am Telefon habe man ihnen erklaert, die Party finde nun in Gokarna statt, etwa 2 Stunden suedlich, im Staat Karnataka. Kaum sei ihnen das gesagt worden, sei die Person am anderen Telefonende aber unterbrochen und das Telefon weitergereicht worden. Dann sei ihnen erklaert worden, dass ihnen erst gesagt wuerde, wo die Party stattfinde, sobald sie ein Ticket gekauft haetten.

Ich entschied, vor Ort zu gehen und mich auf dem Festivalgelaende umzusehen. Ich hoffte, dass ich auf Leute treffen wuerde, die mehr wissen und mir mit Klarheit sagen koennen, ob und wo die Party nun stattfinden wuerde. Bereits am Eingang zum Gelaende wurde ich weggewiesen. Die Polizei und die Behoerden seien vor Ort, um zu verhandeln.

Spaetabends kam Viktor, der Landbesitzer, zu mir. Bis anhin war er immer sehr zuversichtlich. Er war ueberzeugt, dass die Party in Agonda stattfinden wuerde. Das sei nur eine Frage der Verhandlungen und des Geldes. Doch ploetzlich war er nicht mehr so optimistisch: Die Party wuerde nicht in Agonda stattfinden. Ich solle morgen die Zeitung lesen.

So las ich am Donnerstagmorgen die Zeitung:

Im Laufe des Tages machten dann wieder verschiedene Geruechte die Runde. Die Party finde nun in Morjim statt, in Goas Norden. Oder die Party finde nun wirklich in Gokarna statt, aber erst eine Woche spaeter, da ja nun alles neu aufgebaut werden muesste und mit den Behoerden des Staates Karnataka verhandelt werden muesse.

Morgen wuerde Freitag sein, der Tag an dem die Party beginnen sollte. Egal, mein Zug war sowieso bereits abgefahren.

Am Freitag war das Thema im oHERALDo keine Titelgeschichte mehr. Ein kleiner Artikel liess verlauten, dass die Party wohl definitiv nicht in Agonda stattfinden wuerde:

Ich begleitete Domi an den Flughafen, fuhr zurueck nach Agonda und ging ins naechste kleine Reisebuero. Dort buchte ich mir eine Busreise nach Bangalore fuer den naechsten Tag, mit Anschluss nach Mysore. Nach 10 Minuten hatte ich mein Ticket in der Hand. Ich wuerde am Sonntagmittag in Mysore ankommen, also gerade rechtzeitig, um am Abend den mit 40’000 Lichter beleuchteten Palast zu sehen.

The Travel Agency

Samstag, Februar 6th, 2010

Ich fand, dass es Zeit wird meine Weiterreise zu planen. Domi muss zurueck zur Arbeit in die kalte Schweiz und ich habe noch zwei Wochen Zeit, mich ein bisschen in Indien umzusehen. Ich will unbedingt nach Ooty. Das ist eine Stadt auf 2’000 m.ue.M. im Staat Tamil Nadu. Da ich nicht genau wusste, wie man dorthin kommt, ging ich in eines der groesseren Reisebueros in Anjuna. Ich erhoffte mir kompetente Auskuenfte und eine schnelle Abwicklung der Buchung. Dass ich nicht auf direktem Weg nach Ooty kommen wuerde, war mir eigentlich von Anfang an bewusst. Ich muesse via Bangalore und Mysore fahren, erklaerte mir die Frau, die hinter ihrem Bildschirm sass und furchtbar gelangweilt dreinschaute. Den Bus koenne ich nur bis Bangalore buchen, dann muesse ich schauen wie ich weiter kaeme. Ob ich denn mit dem Zug nach Mysore komme, fragte ich, denn Zuege kann man von ueberall aus buchen. Ich erklaerte ihr, ich wolle am Sonntag in Mysore sein (denn immer Sonntags wird dort irgendsoein Palast oder Tempel mit Tausenden von Gluehbirnen beleuchtet). Die Inderin erklaerte mir, dass ich in diesem Falle bereits am Donnerstag in Goa den Zug besteigen muesse. Die Fahrt daure 15 Stunden bis Bangalore, dann haette ich direkt Anschluss nach Mysore. Die Zeitdauer Bangalore-Mysore betrage nochmals 24 Stunden. Das konnte ich kaum glauben, schliesslich ist die Strecke Goa-Bangalore auf der Karte um einiges laenger, als die Strecke Bangalore-Mysore. Ich fragte nach und sie bestaetigte mir die Zeiten nochmals. Nun gut, muss wohl eine verdammt komplizierte Strecke sein, die ueber viele Paesse und durch tiefe Schluchten fuehrt… Ich war vor einer soo langen Zugsfahrt ein bisschen angewidert, aber schliesslich akzeptierte ich den Vorschlag, ich habe ja genuegend spannende Buecher mit dabei. Dann musste ich warten. Warten, warten. Die Frau sass hinter ihrem Bildschirm und es sah ein bisschen so aus, als waere dies die erste Zugsreservation in ihrem Leben. Nachdem ich mindestens 40 Minuten fast regunglos im klimatisierten Buero gesessen hatte, kam der guten Frau ploetzlich in den Sinn, dass ihre Idee mit dem Anschlusszug in Bangalore doch nicht so ein guter Einfall sei, denn dieser Zug fahre von einem anderen Bahnhof aus, also nicht von dem wo ich ankommen sollte. Die Umsteigezeit reiche nicht aus, um mit einer Riksha zum anderen Bahnhof zu kommen, Bangalore sei gross und “very busy”. Ich wartete weitere 20 Minuten, die Frau – wahrscheinlich checkte sie noch alle ihre 23 E-Mail-Accounts – klickte gelassen mit der Maus. Dann, nach gut einer Stunde hielt sie mir den Ausdruck eines neuen Vorschlags vor die Nase: Die Fahrt nach Bangalore sollte immer noch 15 Stunden dauern, die Fahrt von dort nach Mysore aber nicht mehr 24, sondern nur noch 4 Stunden. Obwohl ich zu Beginn ausdruecklich sagte, ich wolle am Sonntag ankommen, kam ich nun gemaess ihren Buchungen ploetzlich schon am Samstag an. Ich gab auf, bezahlte etwas ueber 1’000 Rupies (ca. CHF 25) und verliess den Shop; mit einem Ticket, das ich so eigentlich gar nicht wollte.

Goas Norden

Mittwoch, Februar 3rd, 2010

Bevor ich es vergesse, muss ich kurz etwas festhalten, das ich sofort wieder vergessen wuerde, das jedoch typisch fuer Indien ist: Gerade eben als ich mich zum Internetcafe aufmachte, schaute ich einem Suzuki-Minibus zu, der rueckwaerts einparken wollte. Wie wir es von unseren Lastwagen kennen, ist dieser Transporter mit einer Rueckfahrwarnfunktion ausgestattet. Aber es waere nicht Indien, wenn ein monotones Piepsen die Umgebung warnen wuerde. Sobald der Chauffeur des Suzukis den Rueckwaertsgang einlegt, beginnt der Titanic-Titelsong von Celine Dion zu spielen, in einer Lautstaerke, dass die Ohren zu schmerzen beginnen (Kombination Lautstaerke/Melodie).

Aber nun zu Wichtigerem:

Nach Agonda verbrachten wir eine Woche im Norden von Goa. Das ist da, wo einst die Hippies ueber die ehemalige portugiesische Kolonie herfielen. Es folgten die Raver, die in den 90er-Jahren an den Straenden naechtelang laute Parties feierten. Die meisten Hippies leben heute wieder in ihren Heimatlaendern und die Zeiten der grossen Technoparties sind auch vorbei: Verlotterte Bambushuetten auf Stelzen im “Disco Valley” deuten darauf hin, dass da mal viel los war.

Im Jahr 2010 ist der Norden Goas ein riesiges Feriendorf fuer alle: Backpacker, Pauschaltouristen, hangengebliebene Alt-Hippies, Moechtegern-Hippies, zurueckgebliebene Raver in Lack-und Lederhosen, reiche Russen und noch reichere Inder. Und natuerlich Schweizer, die so tun als haetten sie nicht bemerkt, dass auch wir solche sind.

Mit einem Scooter liegt einem ein riesiger Freizeitpark zu Fuessen: Essen aus aller Welt (Deutsches Brot, mexikanische Fajita, griechische Pita, tibetische Momos…), schoene wie auch weniger schoene Straende (mit Liegestuehlen, ohne Liegestuehle, mit Strandverkaeufern, ohne Strandverkauefern…), Freizeitbeschaeftigungen (Gleitschirmfliegen, Jetskifahren, Delfin-Trip…), Bars und Clubs (von gemuetlich und klein bis mehrstoeckig und laut) und natuerlich Drogen und Nutten (die Girls kommen – wie auch die meisten Touristen – aus Russland).

Also fuer alle etwas dabei. Hier ein paar Orte, die wir besuchten:

Assagao

Dieser Ort war der eigentliche Grund fuer unsere Reise in den Norden. Hier wohnt ein junges Schweizer Paar, das Domi kennt. Diese haben sich hier fuer ein halbes Jahr ein typisches portugiesisches Haus gemietet, um in Ruhe ihr erstes Kind zur Welt zu bringen. In den ersten Tagen war hier unser Ausgangspunkt. Assagao ist zwar kein Touristenort, da er ein wenig im Landesinnern liegt, aber man erreicht die Straende und Touri-Orte in wenigen Minuten.

Vagator

Hier verbrachten wir den Rest unserer Zeit in Goas Norden (ca. 15 Min. von Assagao entfernt am Meer). In Vagator liegt das erwaehnte Disco-Valley – hier fanden frueher die Strandparties statt. Heute ist es ruhig in Vagator. Es gibt zwar noch die NineBar: Ein Openair-Club mit Sicht auf das Meer. Techno gibt es dort aber nur noch von Sonnenuntergang bis 22 Uhr. Punkt Zehn verstummt die Musik, fuenf Minuten spaeter schliesst die Bar. Der sogenannte Rausschmiss. Es gibt mehrere kleine Buchten in Vagator, zwei davon haben wir erlebt und sie sind recht huebsch: Falafel-Beach und Spaghetti-Beach. Wer sich wohl diese daemlichen Namen ausgedacht hat?

Calangute

Hier baden die Inder. Es geht zu und her wie auf Mumbais Strassen: Jetski hier, Speedboat da und ganz viele Inder auf kleinstem Raum. Und ganz interessant auch die Regeln, an die sich die Inder hier halten muessen (besonders die dritte):

Aswem

Aswem liegt fast bei Arambol, also ganz im Norden. Trotzdem ist er von Anjuna aus in einer guten halben Stunde mit dem Scooter zu erreichen. Dieser Strand ist noch ein Geheimtipp, es ist hier fast so gemuetlich wie in Agonda: Es gibt kaum Strandverkaeufer, dafuer bequeme Liegen. Also nix wie hin, solange der Strand noch so friedlich ist (siehe auch Bild ganz oben).

Anjuna
In Anjuna waren wir nie baden. Den einzigen Strand den wir dort angetroffen haben sah so aus:

Bubble Brunch

Ein paar Russen aus Moskau ueberwintern in Goa und haben zu diesem Zweck einen kleinen Club eroeffnet, den sie mit viel Liebe zum Detail eingerichtet haben. Man fuehlt sich ein bisschen wie in einem russischen Wohnzimmer, dank den Sowjettapeten an den Waenden. Und in einer Ecke haben sie eine Sitzgruppe eingerichtet, dessen Boden echter Rasen ist und allmonatlich ersetzt werden muss. Der Beamer zeigt Luftausnahmen aus Oesterreich, russische Computeranimationen oder Avatar. Nur finanziell geht es den Jungs leider nicht wirklich gut. Das liegt zum einen daran, dass ihnen die Nachbarn die Hoelle heiss machen und sie ihren feinen Elektro nur noch leise spielen duerfen – zum anderen aber vielleicht auch an ihrem Kreditkonzept: Man konsumiert und konsumiert und bezahlt erst am Schluss. Und aufzaehlen was man einen Abend lang getrunken hat, ist nach den vielen “Bloody Boyarskys” gar nicht so einfach.


Größere Kartenansicht

Agonda 2010

Mittwoch, Januar 27th, 2010

Eigentlich war es nur logisch, dieses Jahr gleich zu Beginn wieder an den Ort zurueckzukommen, an dem wir im letzten Jahr die meiste Zeit verbracht hatten, da es ein so wunderschoener Fleck ist: Agonda. Unsere Bungalows stehen wieder – vor dem Monsun sind alle abgerissen worden und danach wieder aufgebaut. Abgesehen davon, dass die Haeuschen in diesem Jahr ein bisschen farbiger sind, hat sich im “Sandy Feet” – wo wir bereits letztes Jahr wohnten – nicht viel veraendert. Aber die Strasse die parallel zur Kueste und hinter den vielen Bungalows der verschiedenen “Resorts” durchs Dorf fuehrt, ist nicht mehr dieselbe: Es gibt fast doppelt soviele Shops wie im letzten Jahr. Touristen gibt es vielleicht auch ein paar mehr (aber sicher nicht doppelt so viele). Was auffaellt: Es hat extrem viele Russen. Vielleicht sind diese so kaufwuetig, dass die doppelte Anzahl Shops gerechtfertigt ist.

So haben wir eine Woche lang gut gegessen (z.B. Fresh Lobster – siehe Bild), die Sonne genossen, gelesen…

Und natuerlich habe ich wieder fleissig oHERALDo gelesen. Zum Beispiel diese Geschichte:

Immer wieder werden in Goa illegal Haeuser gebaut. Und dann halt wieder abgerissen. Meist besitzen die Bauherren alle noetigen Papiere von der Gemeinde. Nur haette die Gemeinde fuer die entsprechende Parzelle keine Genehmigung erteilen duerfen. In diesem Fall war immer mal wieder etwas in der Zeitung zu lesen. Bereits zweimal haetten die Haeuser abgebrochen werden sollen. Beim ersten Termin mangelte es an Werkzeugen, um den Abbruch durchzufuehren, beim zweiten Termin war die Polizei mit einem Staatsbesuch beschaeftigt und die Sicherheit haette nicht gewaehrleistet werden koennen. Nun hats also doch noch geklappt.

Angekommen und angekackt

Donnerstag, Januar 21st, 2010

Was ich zuerst bemerkte, an jenem ersten Tag in Bombay, war der besondere Geruch der Luft. Ich roch sie bereits, bevor ich Indien sah oder hoerte, roch sie schon in dem Korridor, der das Flugzeug wie eine Nabelschnur mit dem Gebaeude verband. […] Heute weiss ich, dass es der suesse, saftige Duft der Hoffnung ist, des Gegenteils von Hass; und es ist der saeuerliche stickige Geruch der Gier, des Gegenteils von Liebe. Es ist der Geruch von Goettern, Daemonen, Weltreichen und Kulturen in ihrer Wiederaufstehung und ihrem Verfall. Es ist der blaue Hautgeruch des Meeres, allgegenwaertig in der Inselstadt, und der blutig-metallische Geruch von Maschinen. Die Luft riecht nach der Unruhe und dem Schlaf und dem Unrat von sechzig Millionen Tieren, von denen mehr als die Haelfte Menschen und Ratten sind. Sie riecht nach gebrochenen Herzen, dem Kampf ums Ueberleben und den entscheidenden Irrwegen und Lieben, aus denen unser Mut erwaechst. Sie riecht nach zehntausend Restaurants, fuenftausend Tempeln, Schreinen, Kirchen und Moscheen und nach hundert Basaren, in denen es nur Duftwasser, Gewuerze, Raeucherstaebchen und frische Blumen zu kaufen gibt.

Zitat: Gregory David Roberts – Shantaram

Nun bin ich also wieder in Indien. Nach einem durchaus angenehmen Swiss-Flug atmete ich den oben beschriebenen Duft ein. Und dann wartete ich mit Domi – dem einzigen, der von meiner letztjaehrigen Indien-Reisegruppe uebrig geblieben ist – vor dem Chhatrapati Shivaji International Airport auf unseren Anschlussflug nach Panji, Goa. Wir wollen warten. Natuerlich wurden wir von indischen Verkaufstalenten umringt, bevor wir es uns auf dem sauberen Marmormaeuerchen vor den wartenden Taxis bequem machen konnten. ‘Taxi, Hotel,…”, das Uebliche halt.

Nach dem ueblichen “No, no, no” setzte sich dann bald einmal ein gut bekleideter, beinahe fuenfzigjaehriger Mann neben uns aufs Maeuerchen. Wir smalltalkten. Waehrend zwei Stunden – wir hatten etwa 5 Stunden Wartezeit – kam er immer wieder zu uns, schwatzte irgendetwas belangloses und versuchte – so ganz nebenbei – die unterschiedlichsten Dienstleistungen zu verkaufen. Zwischendurch steckte er seinen Taxi-Fahrern ein paar Noetchen zu. Er war so etwas wie der Boss einer indischen Firma mit ueberteurten Service-Dienstleistungen fuer ankommende Indien-Frischlinge. Als erstes wollte er unsere Wartezeit mit dem Aufenthalt in einem Flughafenhotel verkuerzen (“just ten minutes from the airport, very cheap, Sir”). Dann wollte er uns eine Sightseeing-Rundfahrt durchs naechtliche Mumbai schmackhaft machen und etwas spaeter Geldwechseln (“for a very good exchange-rate, better than anywhere else”). Als es sich dann ein Dutzend huebsche junge Flight-Attendants neben uns auf dem Maeuerchen gemuetlich machte, da kam dann wie selbstverstaenlich die Frage “How do you like Indian girls?”. Worauf er uns nach der selbstverstaendlichen Antwort “Very much!” erklaerte, es gaebe gleich um die Ecke sehr huebsche Frauen fuer nur 30 Franken die halbe Stunde.

Der herausgeputzte Geschaeftsmann machte kein Geld mit uns. So verhaengten wir es auch nicht in Mumbai und erwischten am fruehen Morgen, nach einer unorganisierten, aber gruendlichen Sicherheitskontrolle (“You have wrong stamp, please go back to security check”), unseren Kingfisher-Flight to Panji. Abgesehen davon, dass ein laut vibrierendes Geraeusch waehrend des Steigfluges die Touristen verunsicherte und gewisse Leute kurz nach dem Start ihre Sitze verliessen und von den Flight-Attendants dann wieder energisch auf ihre Plaetze zurueck gestossen werden mussten, war auch dieser Flug angenehm.

Dann waren wir bald da. In Agonda. Am Meer, an der Sonne. Es war immer noch Morgen, die meisten Menschen schliefen noch, der Strand gehoerte fast alleine den Tieren. Ich setzte mich neben eine schwarze Kuh in den Sand. Guckte aufs Meer hinaus. Eine friedlich dasitzende Kuh, dahinter das schimmernde Meer in der Morgensonne – was gibt es Gemuetlicheres?

Ich fand gerade so zu meiner inneren Ruhe – wie man das in Indien ja soll – da stand die schwarze Kuh auf, drehte ihren Hintern meinem Gesicht entgegen und hebte ihren Schwanz in die Hoehe. Sie pluetterte direkt vor mir auf den Boden. Und stapfte in aller Ruhe davon.

Der Angriff von Menstruationsperioden

Sonntag, März 8th, 2009

Die Produkte des indischen Heilmittelherstellers Himalaya sind nicht nur in Indien beliebt. Immer mehr Europäer (bzw. vor allem -innen) finden die ayurvedische Medizin spitze.

Einige wenige Präparate gibts auch in Schweizer Apotheken zu kaufen. Ein weit grösseres Sortiment kann über himalayadirect.com bestellt werden, geliefert wird aus Lettland. Wie es sich für eine Gesundheits-Website gehört, informiert himalayadirect.com auch über Krankheiten – selbstverständlich mehrsprachig. Weniger verständlich ist hingegen, weshalb ein leicht überfordertertes Computerprogramm die Seiten übersetzen musste. Oder waren es indische Kinder?

Hier die originellsten Begriffserklärungen aus dem Glossar:

Menarche
der Angriff von Menstruationsperioden

Machtlosigkeit
Unfähigkeit, sich im sexuellen Verkehr zu engagieren

Lösemittel
eine Droge, die die Beseitigung des Sputums von der Atmungsfläche fördert oder erhöht, indem es hustet

Übelkeit
verursacht Empfindung der Krankheit des Magens, die möglicherweise nicht zum Erbrechen fortfahren kann oder kann

Incontinence
Unfähigkeit, die Evakuierung des Urins oder der Rückstände zu steuern

Antitussive
irgendwelche Masse, die Husten unterdrücken

Purgative
Mittel, das Evakuierung der Därme verursacht

Lochia
Entladung nach Geburt

Hilfe
wird verwendet, in der Tätigkeit einer anderen Droge hinzuzufügen

Bluthusten
des Bluts oben husten

Bronchitis
Krankheit verursacht durch die Entzündung des bronchialen Baums in den Lungen

Pheochromocytoma
eine Bedingung, in der es einen Tumor des adrenalen Medulla oder der strukturell ähnlichen Gewebe gibt, die mit der sympatischen Kette verbunden sind

Anthelmintisch
Mittel, die intestinale Endlosschrauben zerstören oder wegtreiben (z.B. Vidanga, männliche Farnwurzel, Chenopodium)

Astringierend
ein Mittel, die Vertrag abschließen, die Haut und Kontrollen ölen Absonderung. Es regt auch Epithel (Haut) Zelle Wachstum am Ort, Taten als Antiseptikum und ein schützendes Mittel an.

Für noch mehr Kuriositäten aus dem Gerümpelkammer menschlich Organitätes: Glossar von himalayadirect.com ansurfen und oben rechts die deutsche Sprache wählen!

In der Redaktion des oHERALDo

Dienstag, März 3rd, 2009

Gegen Ende unserer Indien-Ferien wurde ich plötzlich noch aktiv. Weil ich als Medien-Junkie geboren wurde und fast täglich Goas “grösste englischsprachige Zeitung” mit dem lustigen Namen oHERALDo las, kam ich auf die Idee, wir könnten die Zeitungsredaktion besuchen. Nachdem ich uns am Vortag angemeldet hatte, fuhren wir mit dem Taxi nach Panjim, Goas Zentrum.

In einer engen Gasse inmitten des Zentrums befinden sich die Büros der Tageszeitung (Auflage 44’467 Exemplare). Obwohl wir angemeldet waren, wusste die hübsche Frau am Empfang nicht so genau, was sie mit uns machen soll. Nach mehreren Telefongesprächen lächelte sie uns an und meinte: “Der Chef ist gerade in der Mittagspause. Aber er kommt gleich zurück, in fünf Minuten ist er hier.” Wir entgegneten, dass der Chef nicht pressieren müsse und dass wir sowieso nur kurz in der Redaktion vorbeischauen wollten, aber anscheinend waren wir Chefsache.

Schon war er da, der General Manager. Er platzierte uns vor seinem fetten Pult und ich überreichte ihm einen BLICK, den ich noch vom Hinflug mit dabei hatte (der mit der Waldfrau, die im Sternen Schnipo isst). Er war begeistert vom Tabloidformat und es faszinierte ihn, dass man die Zeitung von vorne nach hinten und umgedreht von hinten nach vorne lesen kann. Dann erklärte er, dass ihre Druckmaschinen zu alt seien, um Zeitungen im Tabloid-Format zu drucken, obwohl er das gern würde.

Auf die Frage, was denn die komischen o’s vor und nach dem Wort HERALD bedeuten würden, kam eine lange Antwort in gebrochenem Englisch – die niemand von uns verstand. Dann griff der stolze Manager zum Telefon und meldete uns in der Redaktionsstube an.

Weil der Chefredaktor abwesend war, wurde eine Redaktorin damit beauftragt, dem Besuch aus der Schweiz die Zeitung vorzustellen. Sie schien vom Auftrag des General Managers überrascht worden zu sein, aber sie wollte einen guten Eindruck machen und blätterte mit uns Seite für Seite der Zeitung durch. Sie erzählte wie viele Journalisten für die Zeitung arbeiten und zeigte uns wie die Seiten auf dem Computerbildschirm aussehen (Software: Adobe PageMaker), bevor sie per “Broadband” in die 25 Kilometer entfernte Druckerei gesendet werden.

Auf meine Frage, ob es denn gefährlich sei, in Indien als Journalist zu arbeiten, stellte sie sofort klar: “Nein, nein, kein Problem. Ich kann mich nicht erinnern, dass je einer unserer Journalisten bedroht worden ist.” Sie selber arbeitet als Redaktorin für die sonntägliche Magazinbeilage und redigiert Artikel und Kolumnen freier Mitarbeiter. “Momentan kommt das Magazin leider nicht als Beilage, es wird direkt in die Zeitung gedruckt. Wir müssen sparen”, klagte sie.

Zum Schluss noch ein kurzer Blick in den “Newsroom”: Der Newschef und zwei junge Assistenten haben in einer kleinen Kammer mit Hilfe mehrerer PCs und TVs den Überblick über das Weltgeschehen. Die Newshäppchen werden dann mit den Berichten der Korrespondenten zusammengefügt und so entsteht Abend für Abend eine neue Ausgabe des oHERALDo.

Was die komischen doppelt-durchgestrichenen o’s vor und nach HERALD bedeuten, das haben wir leider bei unserem Besuch nicht herausgefunden. Dafür wissen wir: Auch mit einem kleinem Budget, Röhrenbildschirmen, einer Software aus dem letzten Jahrtausend und alten Druckmaschinen kann man eine Zeitung produzieren. Tag für Tag – so Gott nur will.

Hospet – Margao

Donnerstag, Februar 26th, 2009