Archive for the ‘Incredible India’ Category

Bollywood feat. Kantonspolizei Bern

Mittwoch, Dezember 21st, 2011

Ich war wiedermal in Incredible India. Ein einziges Mal hatte ich ein Zimmer mit TV. Eine Dreiviertelstunde lang hab ich Bollywood-Musik-Clips (und hässliche Werbebanner) geschaut. Das reichte, um zwei Clips zu sehen, die in der Schweiz gedreht wurden. Einer davon in der Stadt Bern (siehe Bilder), der andere vermutlich im Emmental .

Darauf habe ich ein wenig über Bollywoodfilme mit Schweiz-Bezug recherchiert. Auf Youtube bin ich auf einen kompletten Film (mit englischen Untertiteln) gestossen: “Don Seenu” heisst der Streifen aus dem Jahr 2010 mit einigen Szenen aus der Bundesstadt. Schauplätze sind unter anderem die Uni, die Grosse Schanze, das Restaurant Anker auf dem Kornhausplatz und der Bahnhof. Neben vielen Schweizer Statisten haben auch Berner Kantonspolizisten einen kleinen Auftritt: Sie spielen einen unnötigen Einsatz und sprechen mit russischem Akzent Englisch.

Aber seht selbst:

Szene “Fotosession” @ Uni/Grosse Schanze ab 30min 0sec

Szene “Berner Polizei” @ Restaurant Anker ab 33min 45sec

Szene “Showdown” @ Bahnhof/Schwellenmätteli ab 59min 30sec

Bollywood-Tanz @ Oberhofen/Gstaad/Thun ab 1h 13min 40sec

Tele Bärn über Don Seenu Filmdreh in Bern

Glanz & Gloria über frühere Bollywood-Produktion in Bern

Nicht wirklich aktuelle Liste mit Bollywood-Drehorten in der Schweiz

Alappuzha

Samstag, März 27th, 2010

Dank Imodium® verlief die Fahrt von Munnar nach Alappuzha ohne Komplikationen. Dort angekommen, traf ich wieder auf Denis, den Slowenen. Alappuzha ist Ausgangsort zu den Backwaters, ein Flusssystem, das wie eine Lagune parallel zur indischen Westküste verläuft.

Wir entschieden uns für eine Tagestour auf einem der kleinen Boote. Unser Captain war James, der gemäss Informationen seines Chefs auch schon bei BBC zu sehen war. Im Gegensatz zu den reichen Indern, die in ihren riesigen Hausbooten die grossen Kanäle runter und rauf tuckern, waren wir in den kleinen Kanälen unterwegs. Dies gab uns Einblick in das Leben der Backwaters-Bewohner, die am und auf dem Wasser leben. Die Kinder werden mit Booten zur Schule gefahren, anstatt öffentlichen Bussen gibt es öffentliche Schiffe und auch Getränke und Baumaterial für neue Häuser werden auf dem Wasser transportiert:

Einer der unzähligen Nebenkanäle

Ein Schulboot

Irgendwo unter dem grünen Teppich ist Wasser

Eyy, an meinem letzten Tag noch einen Kingfisher gesehen!

Nach einer spannenden Bootsfahrt war mein letzter Abend gekommen. Wir besorgten uns Bier, um darauf anzustossen. Aber in Alappuzha war dies gar nicht so einfach. Im Supermarkt oder an Kiosken gab es jedenfalls keinen Alkohol. Wir entdeckten dann per Zufall doch noch einen kleinen Alkoholladen. Dutzende Männer standen eingepfercht zwischen Eisenstangen in der Schlange. Zum Glück sind wir weiss und gehören somit anscheinend zur obersten Kaste: Die anstehenden Männer deuteten uns zur Tür, wollten uns zu verstehen gehen, dass wir nicht wie sie vor dem Schalter anstehen müssten, sondern direkt in den Laden hinein gehen können. Wir wollten erst nicht, doch dann winkte uns auch der Ladenbesitzer hinein. Wir standen also mitten im Laden und der Verkäufer kümmerte sich nur um uns, während die Masse vor dem Fenster brav wartete.

Danke liebe Inder, für eure unglaubliche Gastfreundschaft!

Nein, das ist nicht die Sowjetunion. Das ist Kerala.


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Munnar

Samstag, März 20th, 2010

Nächste Station war Munnar. Eigentlich war dieses Bergdorf nicht in meinem Reiseplan. Aber mir wurde gesagt, die Teeplantagen dort seien noch schöner als die in Ooty. Die Reise dorthin war beschwerlich. Sie dauerte etwa zehn Stunden: Zuerst kurvten wir (Mat, der Däne war mit seinem Motorrad bereits unterwegs – Denis, der Slovene kam mit mir mit dem Bus) vier Stunden den Berg hinunter nach Coimbatore, wo wir Bus wechselten, dann wieder hinauf auf 2000 Meter. Es war heiss und die Busse überfüllt. Wir erreichten den kleinen Ort im Staat Kerala am Freitagabend. Mat wartete bereits auf uns. Wir suchten uns ein Hotel und gingen etwas essen – ich hatte Noodles die so gut waren, dass ich gleich noch eine zweite Portion bestellte.

So gut waren die Noodles wohl nicht, wie ich am nächsten Morgen feststellen musste. Mat und Denis fuhren mit dem Mottorrad durch die wunderschöne Natur, während ich ein wenig im Dorf herumlungerte und immer wieder ein WC aufsuchte. So uninteressant war der Tag aber nicht. Während die kommunistische Partei (grösste Partei in Kerala) einen mit Lautsprechern überladenen Jeep durchs Dorf fuhren und Parolen verbreitete, war die Konkurrenz auf dem Dorfplatz präsent. Ein Politiker hielt eine Rede die von 13.30 Uhr bis 17.30 dauerte. Der Mann hatte einiges zu sagen und das in einer ohrenbetäubenden Lautstärke; schliesslich musste er ja die Kommunisten mit ihrem Propaganda-Mobil übertönen. Ich erkundigte mich bei einem Kiosk, von welcher Partei dieser Politiker sei: “Tigers”, sagte mir der Ladenbesitzer. “Tamil Tigers?”, fragte ich, um herauszufinden ob es die in Indien auch gibt. Schliesslich gibt es ja in Indien auch Tamilen. “No, different Tigers”, war dann die Antwort. Nun gut, ob denn Wahlen seien an diesem Wochenende? “No, elections in September, now just practicing!” Unglaublich, dachte ich, da übt einer im Februar vier Stunden lang seine September-Rede?

Ganze vier Stunden dauerte die Rede des Tigers

Der Sitz der lokalen Kommunisten

Am nächsten Tag ging es mir noch “beschissener”. Anscheinend fühlten sich die bösen Bakterien wohl in meinem Körper. Mat und Denis reisten weiter und ich lag in meinem Hotelbett und las Der weisse Tiger von Aravind Adiga (ISBN 3-406-57691-5), ein Buch über einen Inder, der zum Mörder wird, nur um den sozialen Aufstieg schaffen zu können. Eine wirklich spannende Geschichte.

In Munnar machen selbst die Katholiken Propaganda


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Ooty

Montag, März 15th, 2010

Wie ich bereits in einem früheren Eintrag geschrieben hatte, wollte ich unbedingt nach Ooty (auch Udagamandalam genannt). Die kleine Stadt liegt umgeben von Teeplantagen auf 2000 Metern über Meer im Staat Tamil Nadu. Die Busfahrt dorthin war bereits ein Erlebnis. Die Strecke führte durch einen Nationalpark und ich sah tatsächlich wild lebende Elefanten. Der Bus verlangsamte zwar sein Tempo, fuhr dann aber weiter, als ich endlich meine Kamera ausgepackt hatte. Neben mir sass ein Geschäftsmann mit dem ich mich ein bisschen unterhielt. DIe Umgebung war atemberaubend und so fragte ich den Mann, ob man hier oben in den Bergen das Wasser bedenkenlos trinken könne. Zu meinem Erstaunen verneinte er die Frage. Zuoberst gäbe es eine Biochemie-Fabrik, die das Wasser sozusagen bereits an der Quelle verschmutzt.

In Ooty angekommen, checkte ich in die Jugendherberge (YWCA) ein. Um ein bisschen unter die Leute zu kommen, buchte ich für 100 Rupien (CHF 2.50) eine Übernachtung im Massenschlag. Den teilte ich mir nicht nur mit 9 anderen Touris, sondern auch mit einer Ratte. Ich habe aber kein Problem mit den kleinen Nagern – und sie liess mich auch durchschlafen. Weniger Freude hatte eine Holländerin deren Zahnpaste am nächsten Morgen angeknabbert war. Leider habe ich auch davon kein Foto.

Dorm D2 der YWCA Ooty

Der zweite Tag in Ooty sollte dann einer der schönsten meiner ganzen Indienreise werden. Mit einem Dänen, der während eines Monats mit einem Motorrad unterwegs war, fuhr ich einen Tag lang durch die Teeplantagen rund um Ooty. Erstes Ziel war ein Ort mit dem Namen Avalanche. Obwohl es in Tamil Nadu auch auf 2000 Metern Höhe nie schneit. Avalanche ist das Tor zu einem “Wildlife Sanctuary”; das wollten wir uns ansehen. Dort angekommen, hielten wir vor einer verschlossenen, bewachten Barriere. Ob wir denn in den Park fahren dürften, oder ihn wenigstens bewandern, fragten wir den Wildhüter. Aber dieser gab uns zu verstehen, dass ohne “Permission” gar nichts ginge. Wo wir denn eine Permission bekämen, fragten wir. Die Antwort schien logisch: Nicht von ihm, sondern von irgendeinem Büro in Ooty, also eine Stunde mit dem Motorrad in die entgegengesetzte Richtung… Wir versuchten dann nicht den Mann zu bestechen.

Teeplantagen

Der Däne auf seiner Bullet in der Haarnadelkurve 16 von 34

Lake Avalanche

Auf unserer Rundreise durch die Teefelder fuhren wir an unzähligen Teefabriken vorbei – eine davon besuchten wir. Fotos von innen gibt es nicht, denn es war uns “stritctly prohibited”, welche zu machen. Reinkommen war auch nicht ganz einfach. Wir fragten den zahnlosen, etwa 60-jährigenSicherheitsbeamten für Einlass. Und wieder hiess es: “You need permission.” Diese kriegten wir dann aber gleich nebenan, im farbigen und klimatisierten Büro. Und dann fühte uns der alte uniformierte Securitas in schnellem Tempo durch die Teefabrik. “Here put in leaves. Leaves go down, and up. Here put wood in the oven for fire. Leaves go there, then down, then up, then over there, then up there, then down again…” Schliesslich wurde am Ende des Maschinenlabyrinths der Tee abgefüllt, worauf das Kilo für 60 Rupien (CHF 1.12) an die Grosshändler verkauft wird.

Staatliche Teefabrik (grau) mit Büro (farbig)

Am nächsten Tag traf ich per Zufall einen Slovenen, mit dem ich bereits in Goa an der Bushaltestelle eine Weile gequatscht hatte, als ich auf dem Weg nach Bangalore und er auf dem Weg nach Hampi war. Indien ist eben klein. Wir fuhren mit dem “Blue Mountain Train” nach Conoor und wieder zurück. Die Strecke wurde nach dem letzten Monsoon unterbrochen und danach etwas behelfsmässig wieder zusammengeflickt (Bild). Ein Abenteuer.

Improvisierte Brücke

“Chaia – Chaia”

Am Abend besuchten wir einen Bollywood-Movie (in Hindi) im Kino von Ooty. Wir kamen zu spät, die Kasse war zu und wir schlichen uns einfach hinein. Als ehrliche Touristen wollten wie uns in der Pause doch noch Tickets besorgen, was ein bisschen auf Unverständnis stiess. Weshalb wir denn für einen Film bezahlen wollen, von dem wir kein Wort verstehen, fragte uns der Angestellte im Back-Office. Gleichzeitig hatte er Freude, dass zwei Europäer einen Hindi-Film in seinem Kino schauen wollen. Schliesslich stellte er uns dann für je 20 Rupien (CHF 0.50) Tickets für die 3. Klasse aus. Als sich die Hauptdarsteller nach etwa zweieinhalb Stunden im blendenden Sonnenlicht zu küssen schienen, danach aber nicht fertig war sondern die nächste unverständliche Konversation folgte, verliessen wir den Saal gleich leise, wie wir ihn betreten hatten.


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Mysore

Mittwoch, Februar 24th, 2010

Mit einem staatlichen Bus fuhr ich von Bangalore nach Mysore, einer mittelgrossen Stadt im Staat Karnataka. Die dreistündige Fahrt wahr nicht wirklich angenehm, die Stossdämpfer des alten Gefährts hätten wohl schon lange mal ausgewechselt werden müssen. Durchgeschüttelt erreichte ich am späteren Nachmittag Mysore. Dort checkte ich ins altehrwürdige Hotel Dasaprakash ein. Es war nicht einfach dorthin zu gelangen, weil mir ein “Friend” unbedingt eines seiner vergammelten Zimmer andrehen wollte (obwohl: “You know, I don’t get comission, I am not one of those, I just enjoy your friendship!”).

Viel zu sehen gibt es in Mysore nicht, aber der Maharaja-Palast, der 1902 nach einem Brand des frühreren Holzpalastes neu gebaut wurde, wird immer Sonntags zwischen 19.00 und 20.00 Uhr mit 40’000 Glühbirnen an der Fassade erleuchtet. Und das sieht dann so aus:

Wahrscheinlich sind zehn Angestellte mit nichts anderem als Birnen auswechseln beschäftigt.

Am nächsten Tag guckte ich mir den Palast noch von innen an. Der Eintritt beträgt für Inder 20 Rupien (CHF 0.50), für Ausländer 200 Rupien (CHF 5.00). Was für eine Diskriminierung. Ich bezahlte also 200 Rupien und betrat das Gelände. Bevor ich ins Innere des Hauptgebäudes durfte, musste ich noch zweimal bezahlen. Einmal um die Fotokamera bewachen zu lassen, denn die darf man nicht mitnehmen und nocheinmal, um die Schuhe bewachen zu lassen, denn die dürfen auch nicht mit. Und zu guter Letzt musste ich auch noch meine Identitätskarte abgeben, als Depot für einen Audioguide.

Der Besuch hat sich nicht nur wegen des schönen Palastes gelohnt. Neben einer indischen Grossfamilie die unbedingt ein Foto mit einem Weissen wollte (siehe Bild), lernte ich dort auch Adele kennen, eine Kanadierin mit indischen Wurzeln, die zur Zeit in einem Kinderheim in Mysore arbeitet. Ich erhielt die Gelegenheit, im Waisenhaus vorbeizuschauen.

Im Haus “Asha Bhavana” der privaten indischen Hilfsorganisation RLHP Mysore leben zur Zeit 20 Mädchen. Alle haben sie ein Bett, erhalten täglich warme Mahlzeiten und können eine staatliche Schule besuchen. Mit wenigen Ausnahmen sind alle Mädchen im Heim Vollwaisen. RLHP’s Streetworker versuchen nämlich, wenn immer möglich, den Eltern der Slumkinder Alternativen zur Bettelarbeit ihrer Kinder aufzuzeigen, so dass die Kleinsten wieder die Schule besuchen können. Nur in wenigen Fällen gelingt die Rückführung nicht. Zum Beispiel im Falle des kleinen Mädchens, dessen Eltern ihr die Hand verätzten, damit ihre Tochter mehr Geld vom Betteln mit nach Hause bringt. Das traumatisierte Mädchen wird nun bis zu ihrem Schulabschluss hier leben. Bis um vier Uhr sind die Mädchen in der Schule, die Zeit bis zum Nachtessen verbringen sie mit Spielen, zusätzlichem Englischunterricht und Meditation. Einmal in der Woche findet der “Familienrat” statt. Dann werden Probleme besprochen und Entscheidungen getroffen. Sogar über das Budget sind alle informiert, grössere Anschaffungen werden demokratisch beschlossen – natürlich unter Aufsicht der Leiterinnen.

Ich war wirklich begeistert, was diese Mädchen trotz (oder vielleicht gerade wegen) ihren traurigen Schicksalen für eine Lebensfreude ausstrahlen. Und wie Adele mir erzählte, sind die Streetworkerinnen und Heimleiterinnen mit Leib und Seele unermüdlich im Einsatz, um das Leben der Slumkinder zu verbesseren – ihnen eine Zukunft zu schenken. CHF 200.00 pro Kind und Jahr kosten Unterkunft, Essen und Schulmaterial. Als private Organisation ist RLHP Mysore auf Spendengelder angewiesen und wird unter anderem von der Bundesrepublik Deutschland finanziell unterstützt.


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Das Jungfraudrama von Indien

Mittwoch, Februar 24th, 2010

Auch in Indien gibt es hohe Berge, auch in Indien begraben Lawinen Menschen. Diesmal traf es eine 60-köpfige Armeetruppe auf einer Übung – 15 Tote, 17 Schwerverletzte. Die Story war zwar auf der Titelseite der Times of India, aber kritische Fragen tauchten in der Berichterstattung keine auf. (Denn was gibt es da noch gross zu fragen? Schliesslich ist ja die Lawine schuld.) Ich ging davon aus, dass das tragische Ereignis von den Medien nicht weiterverfolgt würde. Umso mehr freute ich mich, als ich am übernächsten Tag in einer anderen Zeitung dieses Bild entdeckte:

Ob das “Rescue team in action” mittlerweile am Unfallort angekommen ist? Ich weiss es nicht.

Karnataka-Safari

Samstag, Februar 20th, 2010

Im Nachtfbus fuhr ich von Goa nach Bangalore im Staat Karnataka. Nach Sonnenaufgang konnte ich bequem von meiner hochgelegenen Schlafkoje aus Kultur, Architektur, Politik und technische Errungenschaften der Menschheit erleben und ein paar Ausschnitte davon mit meiner Kamera festhalten:


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Aircel

Samstag, Februar 13th, 2010

Nun bin ich also bereits eine Woche lang alleine unterwegs. Fuer meinen Blog blieb aber kaum Zeit, da ich staendig auf Achse war. Heute haette ich wieder einmal ein bisschen Zeit, da ich zwecks Durchfall keine grossen Spruenge machen kann. In diesem Internetcafe – wahrscheinlich dem einzigen in dem Kaff wo ich momentan bin – ist es jedoch strengstens verboten, die Fotokamera an die Computer anzuschliessen. Da es soviel zu zeigen gaebe, erzaehle ich deshalb eine Geschichte, die auch ohne Bilder auskommt:

Aircel – India’s Pioneer in Mobile Services and Technology. With over 25 million happy customers in the country, Aircel is a full-fledged national operator.

Quelle: aircel.co.in

Mobiltelefonieren in Indien ist guenstig. Mit einer indischen SIM-Karte kostet ein nationales Telefongespraech 1 Rupie pro Minute, das sind 2.5 Rappen. Ein SMS in die Schweiz kostet 5 Rupien, also etwa 15 Rappen. So habe ich mir also in Goa eine indische SIM-Karte gekauft. Ich entschied mich fuer “Aircel”, denn mir wurde versichert, ich koenne die Karte sofort nach Registrierung benutzen, bei “Vodafone” muesste ich hingegen zwei Tage bis zur Aufschaltung warten.

Fuer 200 Rupien fuellte mir ein junger Inder waehrend einer halben Stunde alle Formulare aus und klebte mein Passfoto auf. Dann kriegte ich die SIM-Karte. Auf der Verpackung stand geschrieben: “For sale in Maharashtra only”. In einem Land, in dem es ein Getraenk gibt, dessen Logo aussieht wie das von “Fanta”, das aber “Funs Up” heisst, spielt es keine Rolle, dass mir in Goa eine SIM-Karte verkauft wird, die eigentlich nur im noerdlicheren Staat Maharashtra verkauft werden duerfte. Und tatsaechlich: Es funktionierte. Abgesehen davon, dass nicht alle SMS aus der Schweiz bei mir ankamen, funktionierte alles tadellos. Nach jedem Telefongespraech erhielt ich eine Nachricht mit meinem aktuellen Kontostand. Toller Service.

Im Staat Tamil Nadu, genauer gesagt in Ooty, einer kleinen Stadt auf 2’000 m.ue.M. musste ich meine SIM-Karte aufladen, ich hatte nur noch 7.02 Rupien auf meinem Konto. Ich kaufte mir also bei einem Kiosk drei “Top Up Cards” von Aircel fuer je 50 Rupien. Pro Karte koennte ich 43.33 Rupien zum telefonieren nutzen, die verbleibenden je 6.67 Rupien wuerden gemaess Aufdruck auf der Rubbelkarte fuer Service-Kosten und Steuern draufgehen. Was solls, ich tippte also den ersten 13-stelligen Code in mein Telefon ein. Die Antwort kam gleich nach dem lossenden des Codes: “Netzwerkproblem”. Zurueck im Shop, erklaerte man mir, dass ich mit den gekauften Rubbelkarten keine SIM-Karte aus dem Staat Maharashtra aufladen koenne. Das Guthaben koenne nur mit “Easy Top Up” erhoeht werden. Hmm. Erstaunlicherweise nahm der Verkaeufer die Karten anstandslos zurueck, sogar die bereits aufgerubelte. Mit meinen 150 Rupien machte ich mich auf den Weg, einen Ort zu finden, wo sogenanntes “Easy Top Up” moeglich ist.

Ich traf auf einen Aircel-Store. Zwei junge Inderinnen sassen im modernen, klimatisierten Raum und telefonierten mit ihren Handys. Als ich den Raum betrat hielten beide ihr Telefon sofort unters Pult und fragten fast gleichzeitig: “Yes Sir?” Ich erklaerte was ich wolle, worauf sie mir zu verstehen gaben, dass sie nur Formulare fuer Abonnemente ausfuellen koennten, aber keine Prepaidkarten aufladen. Sie sandten mich zwei Haeuser weiter, zu “GPL Mobiles”.

“GPL Mobiles” war ein kleines, von einer muslimischen Familie gefuehrtes Geschaeft, das neben Mobiltelefonen auch Fernseher und goldene Uhren verkauft. Hinter dem Tresen standen Vater und Sohn. Der etwa 15-jaehrige Bub mit Seitenscheitel, Kaeppi und dickem Brillenglas schien fuer die sogenannten “Easy Top Ups” zustaendig zu sein.

“Easy Top Up” funktioniert folgendermassen: Der Haendler kauft 1’000 Rupien Guthaben ein und bezahlt dafuer etwas weniger. In sein Mobiltelefon tippt er dann die Mobiltelefonnummer des Geraetes ein, das aufgeladen werden soll, worauf das entsprechende Guthaben von seinem Konto abgebucht und der Karte des Kunden gutgeschrieben wird.

Ich bezahlte 300 Rupien (CHF 7.50), um mich bis zu meiner Rueckkehr in die Schweiz nicht mehr um “Top Ups” kuemmern zu muessen. Der Bub tippte auf seinem Mobiltelefon rum und schon bekam ich auch eine SMS zugeschickt: “Your account has been successfully recharged. Ammount: Rs.0.00 Account balance: Rs.7.05″. Ich zeigte die SMS dem jungen Verkaeufer und dieser wiederum zeigte mir die SMS, die er zur gleichen Zeit erhalten hatte. Dort stand, dass 300 Rupien von seinem Konto abgebucht worden sind. Oje. Ich sagte, ihm, dass mir das egal sei, er habe dafuer zu sorgen, dass mir 300 Rupien gutgeschrieben wuerden. Dann mischte sich sein baertiger Vater ein. Er waehlte mit seinem Handy die Hotline von Aircel. Nach langem hin- und her in tamilischer Sprache, kam er zum Schluss, dass die Tamil-Nadu-Aircel-Hotline nicht weiterhelfen koenne. Er muesste die Aircel-Hotline des Staates Maharashtra anrufen und die kenne er nicht: “I am really helpless, Sir.” Dann wandte er sich einem anderen Kunden zu.

Fuer mich war klar, die wollten mich nicht bescheissen. Das Problem liegt irgendwo im komischen indischen Mobilfunksystem, das zwischen den verschiedenen Staaten nicht wirklich kompatibel zu sein scheint.

Ich ging zuerueck zu den zwei telefonierenden Ladies in ihrem klimatisierten Aircel-Shop. Ich erklaerte der Frau die rechts sass mein Problem. Sie nahm ihr Mobiltelefon von ihrem Schoss hoch, sprach etwas ins Mikrofon und haengte auf. Die Frau links telefonierte weiter. Die Aircel-Frau war mit meinem Problem ein bisschen ueberfordert und fragte mich, ob ich denn die Nummer der Maharshtra-Hotline von Aircel kennen wuerde. Ich wurde ein bisschen ranzig und sagte, dass ich ja hier sei, weil ich diese Nummer nicht kennen wuerde und ausserdem sei dies sei ja ein Aircel-Shop und sie solle sich doch bitte um mein Problem kuemmern. Sie klickte was auf ihrem Computer rum und waehlte dann mit meinem Telefon die Maharashtra-Hotline. Es folgte wiederum ein langes Gespraech – in Englisch. Dann erklaerte sie mir, was ihr soeben erklaert worden sei: Es sei nicht moeglich, eine Karte aus dem Staat Maharashtra im Staat Tamil Nadu mit Rupien aufzuladen. Hingegen haette ich nun 400 Gespraechsminuten fuer lokale Gespraeche, bzw. 200 Gespraechsminuten fuer nationale Gespraeche auf meinem Konto. Die 300 Rupien seien also in Gespraechsguthaben umgewandelt worden, weshalb sich mein Kontostand nicht veraendert habe. Ok, das war nicht was ich wollte. Ich wurde noch ein bisschen saurer, da ich das alles nicht verstehen konnte. Die arme Frau forderte mich auf, selber die Maharashtra-Hotline anzurufen, vielleicht wuerde ich dann ja verstehen. Also drueckte ich die Wiederholungstaste:

“Welcome to Aircel, what can I do for you?” Einmal mehr erklaerte ich mein Problem. Und der Mann von der Hotline erzaehlte mir noch einmal genau dasselbe, was mir zuvor die Frau von Aircel erklaerte. Ich entgegnete, dass ich die 300 Rupien brauchen wuerde um SMS zu senden und ich keine Gespraechsminuten wolle. Er solle mir doch verdammt nochmal einfach die 300 Rupien gutschreiben, das koenne doch nicht so schwierig sein. “I really cannot do this, Sir, I am really sorry, Sir.” Ich resignierte und verabschiedete mich, worauf der Typ am anderen Ende fragte: “Is there anything else I can do for you, Sir?” There was nothing you’ve done for me, so why you asking me this stupid question???

Ich ging zurueck in mein Hostel und taetigte einen nationalen Anruf. Schliesslich musste ich nun ja in wenigen Tagen 200 Gespraechsminuten vertelefonieren. Nach ein paar Minuten machte es “Pling Plong” und die Leitung war tot. Eine darauffolgende SMS bestaetigte mir, dass ich die letzten 7 Rupien aufgebraucht haette. Ich wollte veraergert die Maharashtra-Aircel-Hotline anrufen, um zu fragen, wo nun meine vielen Gespraechsminuten bleiben wuerden. Gluecklicherweise war die Nummer immer noch in der Liste der getaetigten Anrufe gespeichert. Ich klickte auf “Anrufen”; erneut machte es “Pling Plong”.

Ab sofort bin ich wieder ueber meine Schweizer Nummer erreichbar.