Einen eher weltlichen Schock erlebt, wer den Absatz genau liest.
Der Regisseur heisst “Roland Emmerich” und nicht “Roalnd emmerich”.
Im Film “Independence Day” (und nicht “Independenc Day”) versuchen Aliens die Menschheit auszulöschen. Der beschriebene Film ist zwar auch von Emmerich, heisst jedoch “2012“.
Es sollte “Publikationen” heissen, nicht “Publikation”.
Ausserdem ist “prophezeiten” nicht ganz richtig geschrieben.
Letzte Woche war ich an einer Beerdigung. Im Zürcher Cabaret Voltaire beging rebell.tv digitalen Selbstmord. Der Kopf des Multimediaportals, Stephan M. Seydel (sms), löschte öffentlich seine Social Network Accounts: Facebook, Youtube, Xing, MySpace, etc… Einen nach dem anderen. Die Geschäftsführerin der rebell.tv ag, Tina Piazzi (tp), hätte eingreifen können. Aber sie stand vor der Leinwand und schaute einfach nur zu, wie ihr Mann, Klick für Klick, den Zweck der gemeinsamen Firma zerstörte.
Die Aktion eines Künstlerpaares?
Seit 2004 veröffentlichen sms und tp auf http://rebell.tv Video-Interviews, Bilder, Texte, Podcasts und was man sonst noch so alles elektronisch festhalten kann. sms filmte Marilyn Manson und Prince, interviewte Moritz Leuenberger und Jean Ziegler. Aber vorallem filmte er ganz viele viel weniger berühmte Leute und diskutierte mit ihnen seine Themen. David Dempsey vom österreichischen Radiosender FM4 bezeichnete rebell.tv im Jahr 2006 als “one of those massive media conglomerates, sort of like Murdochs company, just smaller”.
Immer wieder versuchten Journalisten und Blogger rebell.tv und seinen Protagonisten zu definieren, zu schubladisieren. Einige sahen in sms einen Journalisten, andere einen Künstler und wieder andere einen verrückten, politisch motivierten Selbstdarsteller. Auch ich konnte den schrillen Mann mit der grauen Mähne und den orangen Büezer-Hosen nicht einordnen. Im Jahr 2006 besuchte ich sms zusammen mit zwei Freunden, die damals Medien- und Kommunikationswissenschaften studierten und für eine Arbeit über Blogger auch mehr von und über rebell.tv erfahren wollten:
Fast alle Aussagen im Video würde sms heute noch machen. Trotzdem: das Interview ist über vier Jahre alt – seither hat sich im Web 2.0 viel getan. Vor kurzem ist von tp und sms das Buch Die Form der Unruhe, Band 2 erschienen. Darin fassen sie ihre Erkenntnisse aus all den Jahren Interneterlebnis zusammen.
Nicht nur sms und tp glaub(t)en an rebell.tv. Der thurgauer Unternehmer Daniel Model investierte viel Geld in das Projekt. Per Ende Jahr läuft der Vertrag mit dem Unternehmer aus und soll nicht verlängert werden – das Ende für rebell.tv.
Die Youtube-Videos von rebell.tv wurden bereits unwiederruflich gelöscht. Die Webseite soll am 31.12.2010 vom Netz gehen – tausende Interviews mit Menschen aus der ganzen Welt verschwinden.
Deshalb hier noch ein paar Videos, die mir gerade spontan in den Sinn gekommen sind – guckt sie euch an solange ihr noch könnt:
Zurück ins Cabaret Votltaire: Nachdem sms die Accounts – falls überhaupt möglich – unwiderruflich gelöscht hatte, blieb nur noch eines: sich vom Rebellen mit den orangen Hosen zu verabschieden und sich wieder in einen angepassten Bürger zu verwandeln:
«20 Minuten» kritisierte die Coop-Ringier-BettyBossi-aldente-Connection und forderte implizit blindere Blindttests. In diesem Sinne veröffentliche ich nun einen Blindtest, für dessen Unabhängigkeit ich die Hand ins Feuer legen kann. Durchgeführt im Spätsommer 2010 im Rahmen eines geselligen Bierabends in einer Berner WG. Die professionelle Jury: Ein zusammengewürfeltes Team aus acht Bierliebhabern. Ein Grafiker, eine Politologin, ein Industriebodenleger sowie Juristen und Journalisten.
Die fröhliche Runde testete die folgenden 15 Biere (in Klammern das Herkunftsland):
Felsenau Lager (CH), Drinks of the World (CH), Prix Garantie (CH), Feldschlösschen (CH), Gralsburg Export (DE), Quöllfrisch (CH), Feldschlösschen Alkoholfrei (CH), Denner Lager (CH), Einsiedler Lager (CH), Egger Galopper (CH), Tell (CH), Löwenbräu (DE), Feldschlösschen Premium (CH), Kronenburg 1664 (FR) und Heineken (NL).
Die Produkte wurden in der oben erwähnten Reihenfolge aus neutralen IKEA-Gläsern degustiert und bezüglich Gesamteindruck benotet (Notenskala 1-10, wobei 10 die Maximalnote war). Weiter versuchten die Jurymitglieder Charaktereigenschaften der Biere (Süssigkeit, Kräftigkeit, Wässrigkeit, etc.) herauszuspüren und trugen auch diese Empfindungen im Testbogen ein (vgl. Detailauswertung). Um allfällige Abweichungen feststellen zu können, tischte der Testleiter drei Getränke zwei- bzw. dreimal auf.
Hier die Testergebnisse in der Kategorie Gesamteindruck:
Ein deutsches – mir bisher unbekanntes – Bier aus dem Denner, für umgerechnet weniger als 20 Rappen pro Stange, wurde Gesamtsieger. Gefolgt von einem französichen Massenbier und – endlich – einem Schweizer Bier aus der kleinen Brauerei Rosengarten in Einsiedeln. Meine vermeintlichen Lieblingslager von Egger und Felsenau landeten unten auf der Rangliste. Immerhin: Das einzige alkoholfreie Bier im Test schnitt am allerschlechtesten ab – jedenfalls in einem von zwei Degustationsdurchläufen.
Fazit: Gutes Bier ist nicht unbedingt teuer, stammt nicht unbedingt aus der Region und schmeckt nicht unbedingt immer gleich gut. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Sicher ist deshalb nur eines: «Ein Blindtest ist neutral. Basta!»
Gestern Nachmittag auf dem Bundesplatz: Eine Bürgerin sammelt Unterschriften: Der Bundesrat soll ihrer Meinung nach vom Parlament aufgelöst und neu gewählt werden. Auch der grüne Nationalrat Geri Müller kommt kurz vorbei. Aus höflicher Distanz schaut er skeptisch auf das unleserliche Plakat der aufgewühlten Durchschnitt-Schweizerin und macht sich schnell wieder davon – um dann ein paar Meter davon entfernt, im Schatten des mächtigen Hauptgebäudes der Berner Kantonalbank, auf seine Bekanntschaft zu warten. Das gemeine Volk diskutiert alleine. Die unterschriftensammelnde Frau ist überzeugt, dass die Petition etwas bewirken wird: «Ich habe zuvor beim Parlament angerufen. Sie sind mit der Situation im Bundesrat auch nicht zufrieden, weshalb sie meine Aktion unterstützen. Jede Unterschrift zählt, haben sie gesagt.» Nicht alle sind so kämpferisch. Ein Dazugelaufener hat bereits resigniert: «Das bringt doch nüt. Die mache sowieso, was si wei.»
Das erinnert mich stark an BigBrother: Eine Woche Harmonie, dann Krieg – begleitet von Kameras in jeder Ecke.
Vielleicht wäre es ehrlicher, wenn die Departementsverteilung nächstes Mal im Rahmen einer Robinson-Staffel erfolgen würde. Der Gewinner kriegt das UVEK – oder die Finanzen. Und für Parteipräsidenten gibts zum Glück die Supernanny.
Für Reinhard N.* aus Niederösterreich ist klar: «Des is a Schundblatt!»
Trotzdem lesen knapp drei von etwa acht Millionen Österreichern die Kronen Zeitung – das Blatt ist gemessen an der Einwohnerzahl eine der stärksten, erfolgreichsten und einflussreichsten Zeitungen der Welt.
Das ist wohl auch der Grund, weshalb die kronschen Kolumnisten schreiben können, was immer ihnen gerade in den Sinn kommt:
Gar keinen Sinn ergibt diese Meldung auf krone.at:
Weshalb sind die Religionslehrerin, ihre gehbehinderte Mutter (79) und Hund Kenny mitten in der Nacht in Salzburg trotz Reservierung ausgesetzt worden? Aufgrund des überfüllten Zuges? Oder etwa weil die Sirenen heulten? Und was hat die Klimaanlage damit zu tun? Hauptsache Horror?
Na zum Glück gibt es in Österreich auch Qualitätszeitungen, die nicht über nutzlose Schmarotzer oder ausgesetzte Omas berichten, sondern über Politik – belegt mit harten Fakten: