Archiv für die Kategorie „Internet“

CNN zwitschert leicht daneben

Montag, 12. Juli 2010

Jetzt fragst du dich sicher, wie einem so seriösen Nachrichtensender ein solcher Fehler passieren konnte:

Quelle: twitter.com/cnnbrk

Migipedia – Ein Experiment mit Potential

Freitag, 4. Juni 2010

In der Nacht auf Montag geht Migipedia online. Die Migros will mit ihrem neuen Social Media Tool aus “Consumer” “Prosumer” machen: Migros-Kunden sollen auf der Internet-Plattform Produkte bewerten und der Migros ihre Meinung sagen. Aber das ist erst der Anfang. Das Projekt im Beta-Stadium hat noch ganz viel Potential.

Innovativ ist nicht nur das Produkt selber, sondern auch die Lancierung: Die Migros organisierte nicht einfach eine hundskommune Medienkonferenz, sondern lud über Twitter zur Präsentation ein. Etwa 25 Personen (Blogger, Twitterer, Wissenschaftler, Migros-Kunden, Kommunikationsexperten und Journalisten) erhielten gestern Abend in Zürich einen ersten Einblick in das Projekt Migipedia.

Leila Summa, Social Media Director, leitete durch die Veranstaltung. Zuerst vermittelte sie generelle Informationen zu Migros und Social Media. So sei jeder 25. Schweizer Facebook-User Fan der Gruppe “Migros Ice Tea”. Die Firma nehme die virtuelle Welt ernst und beobachte seit einiger Zeit Twitter, Facebook und Blogs.

Aber nur beobachten reicht der Migros nicht mehr. Leila Summa: “Wir wollen selber ein bisschen Social Media machen.”

Ohne sich registrieren zu müssen, können Migros-Kinder via Texteingabe oder durch Scannen eines Strichcodes mit der Webcam (in Zusammenarbeit mit Codecheck) nach Produkten suchen (zur Zeit sind etwa 5′000 Produkte registriert). Jeder Artikel hat seine eigene Seite: Darauf findet der Kunde Informationen zum Produkt (Nährwerte, Preis, etc.), kann es bewerten (mit dem bekannten Sternchen-System) oder Kommentare dazu abgeben. Wie aus anderen Communities bekannt, können andere User den Kommentaren dann zustimmen oder zeigen, dass sie anderer Meinung sind (im Migros-Fachchargon: “leike oder nödleike”). Wer bei seinem Kommentar (bzw. bei einer Frage oder Kritik) noch ein Häckchen bei “M-Infoline” setzt, der wird auch garantiert eine offizielle Antwort von der Migros erhalten.

Wie erwähnt, funktioniert die Seite auch ohne Account: Wer aber will, kann sich ein Profil anlegen und seinen Kommentaren ein Gesicht geben. Derjenige User, der eingeloggt die meisten Kommentare zu einem Produkt abgibt (bzw. “am meisten aktiv ist”), wird “Produkt-Pate”, was dann natürlich auch jeder sehen kann – ein Status-Symbol für Heavy-User also.

Lustig. Aber wie profitiert die Migros von Migipedia? Die Antwort gemäss Powerpoint-Präsentation: “Die von und über die Kunden gewonnenen Informationen können genutzt werden, um das Migros Angebot (online und offline) weiter im Sinne des bewussteren Konsums der Kunden zu verbessern.”

Auf die Folie folgte die Frage aus dem Publikum, was denn genau für Informationen über die Kunden gewonnen werden sollen. Bedenken sind berechtigt: Eine logische Erweiterung von Migipedia wäre die Verknüpfung der User-Accounts mit den Cumulus-Daten. Eine Option sei das natürlich schon, zur Zeit aber noch zu heikel. Das Cumulus-Programm trägt das “Good Privacy Label”, ein Datenschutzgütesiegel, das die Migros auf keinen Fall verlieren will.

Migipedia ist ein Experiment. Selbst die Entwickler wissen noch nicht genau wo es hinführen wird. In der Anfangsphase bietet die Seite Produkteinformationen und eine Diskussionsplattform. Nichts bahnbrechendes also. Aber die Idee soll ständig weiterentwickelt werden – die Migros zählt dabei auch auf die Nutzer: Sie sollen Ideen einbringen und mitbestimmen, wohin die Reise führt.

Was die Zukunft bringen könnte:

- Mit einer iPhone-App scannt der Kunde im Laden Produkte und erhält Informationen dazu (z.B.von welchem Bauernhof ein Ei kommt).
- Migipedia verschmilzt mit LeShop.ch. Produkte können mit einem Klick nach Hause bestellt werden.
- Lagerbestände werden angezeigt. Ein Beispiel: In welcher M-Electronic-Filiale in meiner Nähe gibt es noch einen der Aktions-Fernseher für Fr. 999.- ?
- Aktionen-Alarm: Immer wenn mein Lieblingswaschmittel Aktion ist, kriege ich eine Benachrichtigung per Email.
- Allergiker können ihre Allergien mit ihrem Profil verlinken. In der Filiale scannen sie die Produkte und werden bei gefährlichen Inhaltsstoffen gewarnt.

Der Grundstein ist gesetzt. Die Migros ist wieder um ein M besser. Nun gilt es das Projekt im Interesse der Nutzer weiter zu entwickeln. Innovativ, aber nicht überstürzt und vor allem transparent: Denn wenn die Migros ihre User verärgert, dann verärgert sie gleichzeitig auch ihre Kunden. Und dann gewinnt Coop.


Werbevideo der Migros
Mehr Bilder von der Präsentation gibts bei Benkö.

Blog-Monitoring: Praxistest mit der Migros

Montag, 19. April 2010

Gestern schrieb die SonntagsZeitung, dass Schweizer Konzerne (ABB, Nestlé, Credit Suisse, Swisscom, Cablecom, Migros) mit Software systematisch Blogs überwachen. Dies ermögliche den Firmen gezielt auf Blogeinträge zu reagieren. Ein Beispiel aus der SonntagsZeitung:

28 Minuten nach Mitternacht schrieb Roger Bühler entnervt auf seinem Blog: «war jetzt drei stunden lang vom netz abgehängt – war ein dummes gefühl.» Um 3.38 Uhr morgens antwortete ihm völlig unerwartet ein Mitarbeiter des Cablecom-Kundendiensts: «Guten Tag. Diesen Unterbruch bedauern wir und hoffen, dass Sie wieder online sind.»

Soweit so gut. Ich mach jetzt mal den Praxis-Test und schaue, ob die Migros auch so flink ist wie ihr Blog-Monitoring-Konkurrent Cablecom:

Liebe Migros,

Am späten Sonntagnachmittag stoppte ich an der Raststätte Kölliken Nord. Mein Magen knurrte und ich wollte mir im migrolino eine günstige Tiefkühlpizza holen. Von wegen günstig: migrolino verkauft nicht die preiswerten Migros-Finizza-Pizzas, sondern die teureren Original-Dr.Oetker-Pizzas. Nur, wieviel kostet so eine denn? Ich fand keinen Hinweis auf den Preis. Weder auf der Verpackung, noch vor, hinter, auf oder in der Tiefkühltruhe. Und dies obwohl Ihr Chef Herbert Bolliger in Interviews beteurte, dass zwar die Preise von den Produkten verschwinden, dafür aber gut sichtbare Preisschilder an den Regalen angebracht werden (“Es geht vor allem um eine zuverlässigere Preis-Information für die Kunden und nicht primär um die Einsparungen” – Zitat Bolliger im Blick vom 6. Januar 2010). Ihre Angestellte war dann so nett und scannte das Produkt für mich: Fr. 6.20. Sie werde dafür sorgen, dass dort ein Preisschild hinkomme, versicherte mir die junge Frau in Aargauer Dialekt.

Der Zufall wollte es, dass ich eine gute halbe Stunde später bei einer Shell-Tankstelle in Burgdorf Benzin tankte und dafür in einem migrolino-Shop bezahlen musste. Ich konnte es nicht lassen und guckte in die Tiefkühltruhe: Pizzas von Dr.Oetker – ohne Preisschild weit und breit. Ihre Angestellte versicherte mir, diesmal auf Berndeutsch, sie werde “es weiterleiten”. Dass die Pizza Fr. 6.20 kostet, wusste sie übrigens auswendig.

Nun meine Frage: Muss ich mich in Zukunft im Einkaufsstress bei Ihrem Personal über die aktuellen Preise erkundigen oder kann ich dieses ernüchternde migrolino-Erlebnis ganz schnell wieder vergessen?

Ihre Antwort in Form eines Kommentars zu diesem Blogeintrag würde mich sehr freuen.

In der Hoffnung auf eine ebenso schnelle Reaktion wie diejenige von Ihren Kollegen bei Cablecom, verbleibe ich

mit freundlichen Grüssen
Kobi

Herr Reuters Brieftauben

Donnerstag, 8. April 2010

Die europäische Nachrichtenagentur Reuters existiert seit 2008 nicht mehr. Denn vor ziemlich genau zwei Jahren hat Reuters mit der kanadischen Thomson-Gruppe fusioniert – der Sitz des neuen Unternehmens Thomson Reuters ist New York.

Begonnen hat Reuters Firmengeschichte 1850 im preussischen Aachen. Gründer Paul Julius Reuter tauschte bereits damals Nachrichten aus: Mit seinen Brieftauben. Diese übermittelten zwischen Aachen und Brüssel Aktienkurse. Berlin und Aachen waren bereits per Telegraphenleitung verbunden – Reuters Flugpost schloss die noch bestehende Lücke zwischen Aachen und Belgiens Wirtschaftszentrum Brüssel (122 km).

Gewusst?

Noch mehr lernen: Wikipedia

freiheitskampagne.ch hat nichts zu verbergen

Sonntag, 18. Oktober 2009

Seit über einem Jahr habe ich den Newsletter des überparteilichen Komitees gegen biometrische Pässe und Identitätskarten (freiheitskampagne.ch) abonniert. Der Kampf gegen den Chip im Schweizer Pass ist längst verloren, aber das Komitee informiert ihre Newsletter-Abonnenten bis zum heutigen Tag: zum Beispiel über die zahlreichen Stimmrechtsbeschwerden, die nach der Abstimmung in den Kantonen eingereicht worden sind.

Heute kam wiedereinmal so ein Newsletter bei mir an. Nur ist dem Absender dabei ein unschöner Fehler passiert: Während in früheren Emails als Empfänger eine Verteileradresse angegeben war, ist in der heutigen Email jede einzelne Empfängeradresse sichtbar. 186 an der Zahl.

Ein Argument der Referendumsgegner im Abstimmungskampf war: “Wer nichts zu verbergen hat, dem geschieht auch mit einem biometrischen Pass nichts.” Das Referendumskomitee bezeichnet diese Aussage auf seiner Website als Ausrede.

Wer den Datenschutz über alles stellt, der sollte die ihm anvertrauten Daten brav für sich behalten.

Making of the Pflaster

Samstag, 10. Oktober 2009



Endlich erfahren wir ungeschnitten und im Originalton, weshalb Bundesrat Ueli Maurer am diesjährigen 1. August seine Reden mit einem Pflästerli auf der Stirn halten musste!

Sound: Lineli Concept
Merci Letti füre Link!
Und blick.ch liefert noch die Geschichte zum Video.

Embedded Journalist

Donnerstag, 17. September 2009

Dieses Jahr musste ich die Bundesratswahl vom PC aus mitverfolgen. Im Büro – ohne Soundkarte. Aber was solls, es gibt ja blick.ch, 20min.ch oder das SF mit den Live-Protokollen.

Doch schliesslich verzichtete ich auf die News der konventionellen Medien.

Denn jemand war heute noch schneller: SVP-Nationalrat Lukas Reimann. Aus dem Parlamentssaal twitterte* er im Minutentakt in die weite Welt hinaus. Kurz und prägnant, nur die wichtigsten Fakten. Aber vor allem transparent: So schrieb er kurz vor der ersten Wahl: “Stimmzettel werden ausgeteilt” und ein paar Sekunden später: “Christian Lüscher draufgeschrieben”. Lieb und nett war er übrigens obendrauf auch noch: So gratulierte er am Schluss halt dem Zweitbesten: “Lukas Reimann gratuliert Didier Burkhalter. Immerhin wurde Schwaller verhindert.”

Journalisten haben grundsätzlich keinen Zutritt zum Parlamentssaal. Aber was gilt für Parlamentarier, die sich hobbymässig als Reporter betätigen?

Diese Frage lasse ich jetzt mal so im Raum stehen, denn noch interessanter wäre zu wissen, wie das mobile Internet künftige Bundesratswahlen beinflussen wird. Man stelle sich einmal vor, jeder Parlamentarier twittere wie Reimann:

Die Volksvertreter würden nach jedem Wahlgang übers Handy abchecken, was die anderen so gestimmt haben und sich dann fragen: Wer zwitschert die Wahrheit? Wer blufft? Und wessen Stimme ist überhaupt relevant? Das Verwirrspiel wäre noch perfekter; ein digitales Pokerspiel mit 246 Spielern am Tisch.

Was auch immer die Zukunft bringen mag, Lukas Reimann hat heute Pionierarbeit geleistet. Und bot dazu erst noch einen Service Public, für den er eigentlich Billag-Gebühren einfordern könnte.

*Wie du siehst, bin ich endlich auch noch auf Twitter angekommen. Meine mehr und weniger sinnvollen Beiträge findest du unter twitter.com/kobich. Und hier kannst du das komplette Bundesratswahl-Protokoll von Lukas Reimann als PDF (leider ging beim Erstellen das Layout verloren) runterladen.

Schöne Schlagzeile

Freitag, 4. September 2009

Quelle: 20min.ch