Dieses Jahr musste ich die Bundesratswahl vom PC aus mitverfolgen. Im Büro – ohne Soundkarte. Aber was solls, es gibt ja blick.ch, 20min.ch oder das SF mit den Live-Protokollen.
Doch schliesslich verzichtete ich auf die News der konventionellen Medien.
Denn jemand war heute noch schneller: SVP-Nationalrat Lukas Reimann. Aus dem Parlamentssaal twitterte* er im Minutentakt in die weite Welt hinaus. Kurz und prägnant, nur die wichtigsten Fakten. Aber vor allem transparent: So schrieb er kurz vor der ersten Wahl: “Stimmzettel werden ausgeteilt” und ein paar Sekunden später: “Christian Lüscher draufgeschrieben”. Lieb und nett war er übrigens obendrauf auch noch: So gratulierte er am Schluss halt dem Zweitbesten: “Lukas Reimann gratuliert Didier Burkhalter. Immerhin wurde Schwaller verhindert.”
Journalisten haben grundsätzlich keinen Zutritt zum Parlamentssaal. Aber was gilt für Parlamentarier, die sich hobbymässig als Reporter betätigen?
Diese Frage lasse ich jetzt mal so im Raum stehen, denn noch interessanter wäre zu wissen, wie das mobile Internet künftige Bundesratswahlen beinflussen wird. Man stelle sich einmal vor, jeder Parlamentarier twittere wie Reimann:
Die Volksvertreter würden nach jedem Wahlgang übers Handy abchecken, was die anderen so gestimmt haben und sich dann fragen: Wer zwitschert die Wahrheit? Wer blufft? Und wessen Stimme ist überhaupt relevant? Das Verwirrspiel wäre noch perfekter; ein digitales Pokerspiel mit 246 Spielern am Tisch.
Was auch immer die Zukunft bringen mag, Lukas Reimann hat heute Pionierarbeit geleistet. Und bot dazu erst noch einen Service Public, für den er eigentlich Billag-Gebühren einfordern könnte.
*Wie du siehst, bin ich endlich auch noch auf Twitter angekommen. Meine mehr und weniger sinnvollen Beiträge findest du unter twitter.com/kobich. Und hier kannst du das komplette Bundesratswahl-Protokoll von Lukas Reimann als PDF (leider ging beim Erstellen das Layout verloren) runterladen.