Archive for the ‘Politik’ Category

Empfang mit Rohwurst

Montag, Mai 23rd, 2011

Verbindungs-Studenten waren mir während meiner Studienzeit immer suspekt. Sie torkelten spätnachts in ihren komischen Verkleidungen lallend durch die Strassen von Fribourg. Sie becherten Alkohol gemäss Protokoll. Und sie begrüssten sich an der Uni mit kindischen Übernamen.

Ich hatte keinen Grund einer Studentenverbindung beizutreten: Freiwillig Uniform tragen wollte ich nicht, einen neuen Namen brauchte ich nicht und Bier trinken konnte ich auch so.

Hätten die motivierenden Plakate mit Ruth Metzler aka “Accueil” (franz. “Empfang”) und Otto Ineichen aka “Pantli” (gemäss Wikipedia: “Rohwurstspezialität”) schon damals gehangen – ich wär jetzt Kobi aka “Beznau II”.

Krieg in Bern? Oder alles nur Show?

Donnerstag, September 30th, 2010

Gestern Nachmittag auf dem Bundesplatz: Eine Bürgerin sammelt Unterschriften: Der Bundesrat soll ihrer Meinung nach vom Parlament aufgelöst und neu gewählt werden. Auch der grüne Nationalrat Geri Müller kommt kurz vorbei. Aus höflicher Distanz schaut er skeptisch auf das unleserliche Plakat der aufgewühlten Durchschnitt-Schweizerin und macht sich schnell wieder davon – um dann ein paar Meter davon entfernt, im Schatten des mächtigen Hauptgebäudes der Berner Kantonalbank, auf seine Bekanntschaft zu warten. Das gemeine Volk diskutiert alleine. Die unterschriftensammelnde Frau ist überzeugt, dass die Petition etwas bewirken wird: «Ich habe zuvor beim Parlament angerufen. Sie sind mit der Situation im Bundesrat auch nicht zufrieden, weshalb sie meine Aktion unterstützen. Jede Unterschrift zählt, haben sie gesagt.» Nicht alle sind so kämpferisch. Ein Dazugelaufener hat bereits resigniert: «Das bringt doch nüt. Die mache sowieso, was si wei.»

Noch vor einer Woche waren alle so glücklich über die sachkomptente Simonetta Sommaruga und den authentischen Johann N. Ammann, …eh Schneider. Sogar die SVP hatte fast nichts zu meckern und die «NZZ» schrieb von Freude und Genugtuung. Und nun, eine Woche später, muss der «Blick» den Krieg ausrufen.

Das erinnert mich stark an BigBrother: Eine Woche Harmonie, dann Krieg – begleitet von Kameras in jeder Ecke.

Vielleicht wäre es ehrlicher, wenn die Departementsverteilung nächstes Mal im Rahmen einer Robinson-Staffel erfolgen würde. Der Gewinner kriegt das UVEK – oder die Finanzen. Und für Parteipräsidenten gibts zum Glück die Supernanny.

Blocher bestellt Glarner nach Bern

Donnerstag, Dezember 31st, 2009

a. Bundesrat Christoph Blocher würdigt am 2. Januar im Restaurant Krone in Aarberg BE in einer Ansprache drei grosse Berner Seeländer. Eingeladen ist das Volk. Nach der Ansprache gibts gratis Hafersuppe.

Anscheinend hat Blocher Schiss, dass er im Kanton Bern nach dem SVP/BDP-Desaster gar keine Fans mehr hat. Wie wäre es sonst zu erklären, dass der a. Bundesrat in der Glarner Ausgabe der Südostschweiz mit einem Inserat auf die Veranstaltung aufmerksam macht?

Ausriss: Südostschweiz, Glarner Ausgabe vom 29.12.2009

freiheitskampagne.ch hat nichts zu verbergen

Sonntag, Oktober 18th, 2009

Seit über einem Jahr habe ich den Newsletter des überparteilichen Komitees gegen biometrische Pässe und Identitätskarten (freiheitskampagne.ch) abonniert. Der Kampf gegen den Chip im Schweizer Pass ist längst verloren, aber das Komitee informiert ihre Newsletter-Abonnenten bis zum heutigen Tag: zum Beispiel über die zahlreichen Stimmrechtsbeschwerden, die nach der Abstimmung in den Kantonen eingereicht worden sind.

Heute kam wiedereinmal so ein Newsletter bei mir an. Nur ist dem Absender dabei ein unschöner Fehler passiert: Während in früheren Emails als Empfänger eine Verteileradresse angegeben war, ist in der heutigen Email jede einzelne Empfängeradresse sichtbar. 186 an der Zahl.

Ein Argument der Referendumsgegner im Abstimmungskampf war: “Wer nichts zu verbergen hat, dem geschieht auch mit einem biometrischen Pass nichts.” Das Referendumskomitee bezeichnet diese Aussage auf seiner Website als Ausrede.

Wer den Datenschutz über alles stellt, der sollte die ihm anvertrauten Daten brav für sich behalten.

Das Plakat II

Sonntag, Oktober 11th, 2009

Bild: Tagesanzeiger vom 10.10.2009, Seite 20/21

Mit Hilfe der Weltwoche schafft es das umstrittene Anti-Minarett-Plakat doch noch als Inserat in einen Tamedia-Titel.

Vorgeschichte: Das Plakat I

P.S.: Ja, ich trage jetzt auch noch zur Weiterverbreitung dieses Sujets bei. Obwohl dies eigentlich meinen journalistischen und ethischen Grundsätzen widerspricht. Aber da ich ja nicht das Plakat selber, sondern das Foto eines Tagi-Inserates mit einem Abbild der Weltwoche-Titelseite abdrucke, kann ich die Verantwortung gleich doppelt abschieben.

Making of the Pflaster

Samstag, Oktober 10th, 2009



Endlich erfahren wir ungeschnitten und im Originalton, weshalb Bundesrat Ueli Maurer am diesjährigen 1. August seine Reden mit einem Pflästerli auf der Stirn halten musste!

Sound: Lineli Concept
Merci Letti füre Link!
Und blick.ch liefert noch die Geschichte zum Video.

Das Plakat I

Donnerstag, Oktober 8th, 2009

Auch Tamedia-Titel verzichten auf den Abdruck der Inserate, da diese den «ethischen und redaktionellen Grundsätzen des Tamedia-Verlages widersprechen», so Sprecher Christoph Zimmer.

Dies schreibt der Tamedia-Titel 20 Minuten vom 7. Oktober 2009 am rechten Rand der Seite 6. Nur 21 cm weiter links, auf derselben Seite 6: ein 6x9cm-schwarz-weiss-rotes Bild mit der Legende: “Dieses Plakat ist in Basel verboten worden.”

Würde das VBS nach den ethischen Grundsätzen des Tamedia-Verlages handeln, würden ausgediente Kriegswaffen ins Ausland verschenkt – statt verkauft.

Embedded Journalist

Donnerstag, September 17th, 2009

Dieses Jahr musste ich die Bundesratswahl vom PC aus mitverfolgen. Im Büro – ohne Soundkarte. Aber was solls, es gibt ja blick.ch, 20min.ch oder das SF mit den Live-Protokollen.

Doch schliesslich verzichtete ich auf die News der konventionellen Medien.

Denn jemand war heute noch schneller: SVP-Nationalrat Lukas Reimann. Aus dem Parlamentssaal twitterte* er im Minutentakt in die weite Welt hinaus. Kurz und prägnant, nur die wichtigsten Fakten. Aber vor allem transparent: So schrieb er kurz vor der ersten Wahl: “Stimmzettel werden ausgeteilt” und ein paar Sekunden später: “Christian Lüscher draufgeschrieben”. Lieb und nett war er übrigens obendrauf auch noch: So gratulierte er am Schluss halt dem Zweitbesten: “Lukas Reimann gratuliert Didier Burkhalter. Immerhin wurde Schwaller verhindert.”

Journalisten haben grundsätzlich keinen Zutritt zum Parlamentssaal. Aber was gilt für Parlamentarier, die sich hobbymässig als Reporter betätigen?

Diese Frage lasse ich jetzt mal so im Raum stehen, denn noch interessanter wäre zu wissen, wie das mobile Internet künftige Bundesratswahlen beinflussen wird. Man stelle sich einmal vor, jeder Parlamentarier twittere wie Reimann:

Die Volksvertreter würden nach jedem Wahlgang übers Handy abchecken, was die anderen so gestimmt haben und sich dann fragen: Wer zwitschert die Wahrheit? Wer blufft? Und wessen Stimme ist überhaupt relevant? Das Verwirrspiel wäre noch perfekter; ein digitales Pokerspiel mit 246 Spielern am Tisch.

Was auch immer die Zukunft bringen mag, Lukas Reimann hat heute Pionierarbeit geleistet. Und bot dazu erst noch einen Service Public, für den er eigentlich Billag-Gebühren einfordern könnte.

*Wie du siehst, bin ich endlich auch noch auf Twitter angekommen. Meine mehr und weniger sinnvollen Beiträge findest du unter twitter.com/kobich. Und hier kannst du das komplette Bundesratswahl-Protokoll von Lukas Reimann als PDF (leider ging beim Erstellen das Layout verloren) runterladen.