Soeben hat Sion ein Eigentor geschossen, YB führt 2:0.
Ich bin zu spät. Erst jetzt erreiche ich den Bundesplatz, wo ich mit Freunden abgemacht habe. Gemeinsam wollen wir erleben, wie Bern den Cup gewinnt. Doch meine Freunde zu treffen ist gar nicht so einfach.
Der Bundesplatz – ein grosser Käfig mit Grossleinwand.
Hinter einer zwei Meter hohen Gitterwand, die mit einem YB-gelben Tuch überspannt ist, stehen Leute für Bier an, oder fürs WC, oder sie schauen gebannt an die Fassade der Nationalbank, wo Fussball gespielt wird.
Ich steh draussen, meine Freunde drinnen. Sie sehen das Spiel, ich nicht. Ständig kommen Leute raus, aber niemand darf rein. Auch nicht wer schon drin war. Es wird ge-sms-let, telefoniert, gemotzt, mit den Broncos diskutiert und über die Broncos gelästert. Und diese sind mindestens genau so gereizt wie die Menschenmenge, die sie davor hindern, sich auf den Platz vor dem Bundeshaus zu begeben.
Nichts geht.
Von einem Insider erhalte ich einen Tipp zuge-sms-let: Auf der mir gegenüberliegenden Seite käme ich vielleicht noch rein. Ich wähle die Route via Bärenplatz, Chäfiggässli, Amthausgasse. Vor der Post steht der Sendebus von Capital FM. In einer Ecke des kleinen Studios, hängt ein winzig kleiner Fernseher. Auch hier herrscht Gedränge. Genauso wie auch vor den wenigen Flachbildschirmen der vielen Beizen an der Front.
Am Hintereingang zur Public-Emotion-Arena angekommen, treffe ich auf die gleiche Situation wie beim Vordereingang.
Ein Mädchen schleicht sich hinein, ein Bronco rennt ihr hinterher, das Mädchen fliegt wieder raus.
Ein junger Fan wird grob von drei Broncos vor das Gitter geführt. Er wehrt sich mit “Pisser”, die Broncos reagieren emotional. Schliesslich verpisst sich der Jugendliche.
Dann bemerke ich plötzlich zwei bekannte Gesichter, die neben mir anstehen. Nachdem sie, dem Portemonnaie zuliebe, kurz im Coop ein Bier geholt haben, sind sie nun wieder gleich weit wie ich. Es sieht gar nicht danach aus, dass wir da vor Spielschluss noch irgendwie reinkommen. Wir beobachten die Szene noch einen Moment, dann entscheiden wir uns für einen Abgang.
Wie wir so der Amthausgasse dem gelben Gitter entlanglaufen und uns noch ein bisschen über die Organisatoren dieser öffentlich beschränkten Veranstaltung aufregen, erblicken wir direkt vor uns die letzte Chance, um doch noch ein bisschen Bundesplatz-Cup-Final-Feeling mitzubekommen. Skrupellose Fans haben nämlich die Zaunelemente verschoben und somit eine Lücke im System geschaffen. Wir blicken uns an, blicken uns um (die Wächter sind wachsam) und folgen unseren Wegbereitern durch den Zaun. Einer nach dem anderen, jetzt ich.
Aus dem Nichts sürzt ein Fetzen von einem Bronco auf mich zu. Er checkt mich mit voller Wucht und ich falle rückwärts. Er schreit mich an. Dann dreht er sich um und flickt das Loch.
Kobi verliert. YB auch.
Rugby mag ja ganz spannend sein, aber nächstes Jahr will ich dann wieder Fussball: Gemütlich mit Grillwurst, zu Hause vor dem Fernseher.